Rachid's Blog - Eine Reise in die Gedankenwelt eines Schweizer Muslims
... und manchmal richtet sich ein Text an eine bestimmte Person. Weil die Texte Persönliches berühren können, nenne ich die Person jeweils "Bruder Ali".
Konzentration im Gebet
Autor: Rachid | Kategorie: Uncategorized
Lieber Bruder Ali, Du hast mich nach der Konzentration im Gebet gefragt. Obwohl Du Dich im Allag sehr wohl auf etwas konzentrieren kannst verlässt Dich die Konzentrationsfähigkeit sobald Du mit “Allahu Akbar” ins Gebet eintrittst. Du bist bestimmt nicht der einzige mit diesem Problem, wahrscheinlich geht es den meisten Menschen so. Aber Alhamdulillah, Du hast bemerkt dass da etwas nicht stimmen kann. Dies öffnet Dr das Tor zum nächsten Level.
Das Gebet, als ein Innehalten von der Hektik des Alltags und als ein sich besinnen auf Allah und die jenseitige Welt, stellt das Diesseits in Relation zum Jenseits. Aus der Sicht des Menschen sind Diesseits und Jenseits oft wie zwei Pole. Das Diesseits lenkt den Menschen vom Jenseits ab, und das Jenseits lenkt den Menschen vom Diesseits ab. Scheitan aber hat überhaupt kein Interesse daran, dass der Mensch sich auf das Jenseits ausrichtet, denn Scheitan hat im Jenseits bereits verloren und weiss dies*. Schaitan will den Menschen dazu bringen, dass er sich ausschliesslich auf das Diesseits konzentriert. Und das Gebet - dies weiss Scheitan ganz genau - lenkt nunmal die Aufmerksamkeit der Menschen vom Diesseits auf das Jenseits. Auffällig, dass diese Konzentrationsschwäche nur im Gebet kommt, nicht? Hmmm, siehst Du? Diese Konzentrationsschwäche ist Scheitan, der Dich vom Gebet abhalten will. Durch das Gebet verliert er Dich langsam aus seinen Klauen.
Du kennst den Grund für Deine Konzentrationsschwäche, und Du weisst auch, dass Scheitan keine Macht über Dich hat. Er kann Dir Dinge einflüstern, aber er kann Dich zu nichts zwingen. Du kannst jederzeit “Nein” sagen, indem Du seine Einflüsterungen versuchst zu erkennen und ihnen ganz einfach nicht folgst. Es ist natürlich einfacher Scheitan zu folgen als ihm zu widerstehen. Zu widerstehen braucht Disziplin und innere Stärke. Doch dies ist der Weg, der zur Nähe Allahs führt, zu innerer Ruhe in dieser Welt und überwältigender Glückseligkeit in der nächsten.
(* Die Beauftragten mit dem Feuer sind Engelwesen, keine Dschinn wie Scheitan einer ist. Nicht Scheitan kontrolliert das Feuer, sondern die damit beauftragten Engel. Scheitan wird selbst im Feuer brennen.)
Nun kennen wir also den Ursprung der Konzentrationsunfähigkeit im Gebet. Was aber können wir konkret machen, um die Konzentration zu verbessern? Hier muss man meiner Meinung nach zwischen zwei Dingen unterscheiden:
1. Der Übergang vom Alltagsstress zum Gebet
2. Das Gebet selbst
Der Übergang vom Alltagsstress zum Gebet ist ein Bruch, und genau dies ist wahrscheinlich von Allah gewollt. Warum sonst sind die Gebetszeiten über den ganzen Tag verteilt? Wohl damit man innehält und sich regelmässig an Allah und den Sinn des alltäglichen Tuns erinnert. Was tun wir also, um vor dem Gebet den Kopf von den Dingen des Alltags zu leeren und Platz für das Gebet zu schaffen? Wir brauchen einen Puffer zwischen Alltagsstress und Gebet. Du machst das eigentlich sehr gut, in dem Du versuchst so viele Gebete wie möglich in der Moschee zu verrichten. Die Fahrt zur Moschee, das Wudu machen in der Moschee, die Sunna Gebete, das Warten auf den Adhan, all das sind Dinge, die diesen Puffer zwischen Alltag und Gebet schaffen. Versuche bewusst “abzuschalten”, während Du mit diesen auf das Gebet vorbereitenden Aktivitäten beschäftigt bist. Wir anderen, die nicht so viele Gebete in der Moschee verrichten können, oder vielleicht auch nur das Gefühl haben, dass wir das nicht können. Wir können auch zu Hause/im Büro versuchen die Sunna des Propheten (sas) zu befolgen, so wie man das in der Moschee auch macht. Und lass nicht zu, dass Du während dem Gebet schon an die Dinge denkst, die Du nach dem Gebet draussen in der Welt regeln willst. Schaff Dir auch hier einen Puffer. Schliesse das Gebet wiederum mit den Sunnagebeten ab, mit Du’a, und vergiss den Dhikr nicht.
Beim Gebet selbst gibt es eigentlich nur eine Sache, die Du beachten musst. Achte auf den Wortlaut, lerne die Bedeutung der Worte, die Du im Gebet sprichst und denke über den tieferen Sinn dieser Worte nach. Darin liegen Schätze verborgen, die man mit allem Geld und Gold dieser Welt nicht aufwiegen kann. Wenn Du über die Bedeutung der Worte nachdenkst wirst Du die Worte nicht runterleiern können, Du wirst sie langsam sprechen müssen. Wenn Du dann im Gedenken an Allah versunken bist, wirst Du Ruku und Sujud nicht wie hektische Gymnastikübungen verrichten, sondern Du wirst die Bewegungen langsam und würdevoll ausführen und in jeder Position einen Moment verharren, vielleicht um wieder nachzudenken. Schau mal wie sehr das Gute mit dem Guten verknüpft ist und zum Guten hinführt. Du machst eine Sache richtig und gut, und viel Gutes folgt diesem Guten, neue Tore zum Guten öffnen sich Dir, während sich Dir die Tore zum Schlechten verschliessen.
Gutes über Gutem, Licht über Licht, würde ein lieber Freund aus dem Aargau sagen.
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