Rachid's Blog - Eine Reise in die Gedankenwelt eines Schweizer Muslims
... und manchmal richtet sich ein Text an eine bestimmte Person. Weil die Texte Persönliches berühren können, nenne ich die Person jeweils "Bruder Ali".
Warum unsere Projekte oft scheitern - und wie wir es besser machen können
Autor: Rachid | Kategorie: Motivation, Vereine, Islam
In Luzern ist es für die islamische Gemeinschaft seit jeher schwierig motivierte Leute zu finden um Projekte durchzuziehen. Es läuft eigentlich immer gleich ab. Im Moment sind wir dabei, das Familienpicknick vorzubereiten. Ich nehme gleich dieses Projekt als Beispiel.
Von der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL) habe ich den Auftrag bekommen, das diesjährige Familienpicknick zu organisieren. Natürlich kann ich das nicht alles selbst machen. Ich brauche Brüder und Schwestern, die mir helfen. Leute, die mir geeignet scheinen habe ich direkt um Mithilfe angefragt. Das waren aber noch lange nicht genug, ich habe deshalb auch bei den Moscheevorständen angefragt, ob mir jemand helfen kann. Und nun kommt das Lächerliche. Einzelne Moscheen senden dann irgendwelche Leute, die helfen sollen. Die sind in der Regel überhaupt nicht motiviert. Wenn sie überhaupt an Sitzungen teilnehmen, dann nur mit mindestens einer Stunde Verspätung. Aufgaben erledigen sie grundsätzlich nicht. Warum auch. Schliesslich ist man ja als Vertreter der Moschee Soundso zur Sitzung gekommen, aber doch nicht etwa um zu arbeiten. Für die Moscheevereine ist damit der Fall erledigt. Sie haben ja jemanden als Vertreter gesandt. Somit unterstützt ihre Moschee das Anliegen. Diese “Moscheevertreter” bringen selten etwas. Sie sind nur ein Ärgernis für denjenigen, der die Sitzung leiten muss.
Das Familienpicknick vorzubereiten ist dieses Jahr schwierig. Es harzt richtig. Es harzt so sehr, dass ich diese Aufgabe nächstes Jahr eigentlich nicht mehr übernehmen möchte. Wie anders war das doch letztes Jahr. Es hat richtig Spass gemacht das Familienpicknick vorzubereiten. Ich habe mich jeweils auf die Sitzungen gefreut. Alle haben ihre Aufgaben erledigt. Oft wurden meine Erwartungen sogar weit übertroffen. Da hat zum Beispiel der Bruder, der eigentlich nur Wegweiser aufstellen sollte, auch gleich leuchtfarbene Westen mitgebracht, auf denen “Familienpicknick Parkdienst” aufgedruckt war. Richtig professionell hats ausgeschaut. Genau wie die Wegweiser. Bei so viel Motivation wurde das Familienpicknick selbstverständlich ein voller Erfolg.
Letztes Jahr Top, dieses Jahr Flop. Woran liegt das nur? Ich glaube ich weiss woran das liegt. Letztes Jahr habe ich wöchentlich in der bosnischen Moschee Erwachsene im Islam unterrichtet. Mit der Zeit kannten sich die Teilnehmer gut untereinander. Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute wegen dem Unterricht kamen, oder weil sie sich bei dieser Gelegenheit treffen konnten
Als mich die Islamische Gemeinde (IGL) letztes Jahr beauftragte das Familienpicknick zu organisieren, habe ich vor dem Unterricht gefragt, wer bei den Vorbereitungen mithelfen möchte. Es haben sich genügend Brüder und Schwestern gemeldet. Den Rest der Geschichte kennt ihr ja. Es hat richtig Spass gemacht.
Wir könnten uns nun natürlich Gedanken machen, warum das so ist. Aber das ist eigentlich gar nicht so wichtig. Wichtig ist der Weg, den wir letztes Jahr unbewusst gegangen sind:
Unterricht -> Clique -> Familienpicknick vorbereiten -> Erfolg
Können wir diesen Weg nicht auch bewusst gehen? Also schon bestehende Cliquen zur Durchführung eines Projekts gewinnen? Die Entstehung von Cliquen fördern? Vom verknöcherten Vorgehen gemäss Artikel 60 ZGB wegkommen? Präsident -> Vorstand -> Moscheevertreter austrocknen lassen?
One Response to “Warum unsere Projekte oft scheitern - und wie wir es besser machen können”
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August 19th, 2007 at 8:31 am
[…] Dies gilt vor allem auch für die islamischen Vereine im Raum Luzern. Es fehlen ganz einfach Leute, die mithelfen. Die Moscheen sind jeden Freitag bis auf den letzten Platz besetzt. Diejenigen, die zu spät […]