Lieber Bruder Ali

Salamu Alaykum wa Rahmatullahi wa Barakatuh


Rachid's Blog - Eine Reise in die Gedankenwelt eines Schweizer Muslims
... und manchmal richtet sich ein Text an eine bestimmte Person. Weil die Texte Persönliches berühren können, nenne ich die Person jeweils "Bruder Ali".

Weise Worte von Muhammad Ibn ul-Habib

Autor: Rachid | Kategorie: Islam

Auf der Website von Abu Bakr Rieger habe ich einen sehr schönen Text vom grossen Gelehrten Muhammad Ibn al-Habib (Rahmatullahi alaih) gefunden, der mich sehr berührt hat. Ich möchte dir hier einen Auszug wiedergeben:

Befreie das Selbst vom eigenen Handeln und dies wird dir Erleuchtung bringen.

Hüte dich vor der Angst um deine Versorgung, denn dies ist die Verantwortung des Schöpfers.

Die höchsten und lobenswertesten Eigenschaften sind in diesen beiden guten Handlungen enthalten: Denke das Beste über Allah und dann denke das Beste über Seine Sklaven.

Halte dich an diese beiden (Grundsätze) und vermeide es, eigensinnig zu sein.

Der unmittelbarste Weg zu Allah ist der regelmäßige Dhikr von Allahs Namen.

Denn es ist der Erhabene und Höchste Name, der, genaugenommen, größer ist, als alle anderen bekannten Namen.

Wendest du dich dem Dhikr des Schöpfers zu, so befreie das Herz vollständig von jeder Andersheit.

Betrachte die Geheimnisse des Allwissenden und sei aufmerksam! Vermeide eitles Gerede darüber. Hör auf damit.

Vielmehr solltest du nach deiner falschen Handlung um Vergebung bitten in aufrichtigem Flehen und Bedauern.

Wende dich Ihm zu und begreife, dass jede Handlung, mit der du Ihm gehorchst, tatsächlich ein Geschenk ist, das Er dir gab.

Preise Ihn, ganz gleich ob es gut geht oder schlecht, denn Er ist der Handelnde in jeder Angelegenheit.

Ich mag diesen Text so sehr, dass ich ihn auf einen kleinen Zettel gedruckt und in meinen Filofax geheftet habe. So kann ich ihn immer mal wieder lesen und über diese weisen Worte nachdenken.

July 24th, 2007.


2 Responses to “Weise Worte von Muhammad Ibn ul-Habib”

  1. Oli Says:

    Hallo ich habe mal ne Frage und bitte ja nicht falsch verstehen.

    Vorneweg: Ich bin gläubiger Christ und habe mein Leben Jesus geschenkt.

    Nun habe ich viel in der Bibel gelesen und auch einwenig im Koran gestöbert. Und da tauchte bei mir eine Frage auf, die mir seit dieser Zeit immer auf der Zunge lag. Da ich aber keinen Kontakt zu Muslimen pflegen (nicht absichtlich), stelle ich diese Frage nun einfach Dir.

    Mir ist aufgefallen, dass Allah ein Herrscher ist. Damit meine ich, dass er eigentlich nur befiehlt und Du musst gehorchen. Wie Du ja oben schreibst “Denke das Beste über Allah und dann denke das Beste über Seine Sklaven.” Mit Sklaven sind ja sicherlich die Gläubigen resp. der Mensch gemeint. Wir haben unseren Gott-Vater. Den liebenden Vater und sein Sohn (sowie den Heiligen Geist), bei dem wir um Erlösung unserer Sünden beten können.

    So jetzt zu meiner Frage: Warum wird, wenn man vom Islam liesst immer von der Religion des Friedens gesprochen? Viele Stellen im Koran sind meiner Ansicht nach alles andere als friedlich.

    Ich habe mal einen Vergleich gemacht. Als Moses sich bekehrt hat, wurde er von grosser Liebe umgeben und erfüllt und er spürte wie Gott in sein Innerstes einkehrte. Im Koran habe ich dann die Stelle gelesen, als Mohammed von Gottes Geist erfasst wurde. So in groben Zügen wurde geschrieben, dass Mohammed wie von einem weissen Tuch umhüllt wurde, dass ihm die Luft abschnitt und ihn zu Boden schleuderte.

    Ausserdem war doch Mohammed alles andere als friedlich. Ich fand einfach, dass das neue Testament um weiten mehr von Frieden berichtet als der Koran. Wie siehst Du das? Woher kommt der Begriff: Religion des Friedens?

  2. Rachid Says:

    Lieber Oli, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde deine Fragen sehr wichtig und freue mich, dass du sie stellst. Ob ich der richtige bin, um diese Fragen zu beantworten, weiss ich nicht. In deinem Kommentar ist eine ganze Menge Fragen verpackt.

    Viele Stellen im Qur’an sind deiner Ansicht nach alles andere als friedlich.
    Ja, diesen Eindruck hat man vielleicht beim Lesen einer unkommentierten Übersetzung. Zum Verständnis eines Qur’anverses ist es wichtig, dass man dessen Offenbarungsanlass kennt. Meinen Brüdern rate ich jeweils, nicht einfach einen Qur’anvers zu nehmen und etwas daraus abzuleiten, denn dies führt oft zu einem Irrtum, wenn man die Grundlagen dazu nicht hat. Siehe auch den Artikel “Übersicht über die Disziplinen der Islamologie”. Wenn du, lieber Oli, mehr über den Islam wissen möchtest, empfehle ich dir die Bücherliste, die du unter “Bücher” auf LieberBruderAli.com findest. Allen voran “Muhammad, sein leben nach den frühesten Quellen” und “al-Aqida, Einführung in die Iman Inhalte”. Wenn Du die Offenbarungsanlässe und die verschiedenen Interpretationen dieser betreffenden Verse kennst, dann verliert sich dieser erste Eindruck oft.

    Ist Gott ein Herrscher?
    Er ist Gott, einzig. Gott ist der absolut Selbständige, der niemandem bedarf, alles und jeder aber bedarf Seiner. Nie zeugte Er und nie wurde Er gezeugt, und nie ist Ihm jemand ebenbürtig. Er ist Gott, derjenige, ausser dem es keine Gottheit gibt, der Allwissende über das Verborgene und das Sichtbare. Er ist der Allgnade Erweisende, der Allgnädige. Er ist Gott, derjenige, ausser dem es keine Gottheit gibt, der Herrscher, der absolut Reine, der absolut Makellose, der Sicherheit Gewährende, der über alles Verfügende, der Allwürdige, der Allbezwingende, der über allem Stehende. Gepriesen und erhaben ist Gott über das, was sie Ihm beigesellen. Er ist Gott, der Erschaffende, der Existenz Verleihende, der Formende. Ihm gehören die Schönsten Namen. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, lobpreist Ihn. Und Er ist Der Allwürdige, Der Allweise.

    Sind mit Sklaven die Menschen gemeint?
    Manch tiefgläubiger Muslim nennt sich selbst einen Sklaven Gottes. Dadurch drückt er aus, dass er sich Gott vollkommen hingibt. Er will nicht nur der Diener Gottes sein, sondern der Sklave.
    Du, lieber Oli, betest zu Gott um die Erlösung deiner Sünden. Das tun wir Muslime auch. Wir bitten Gott um Vergebung unserer Sünden. Denn schlussendlich sind wir Menschen auf die Vergebung, die Güte und die Liebe Gottes angewiesen.

    Wie begann die Prophetenschaft Muhammads (sas)?
    Diese Frage, lieber Oli, möchte ich in den nächsten Tagen im Rahmen eines Blog Posts etwas ausführlicher beantworten.

    War Muhammad (sas) alles andere als friedlich?
    Gottes Prophet Muhammad (sas) hat nach der Emigration von Mekka nach Medina die muslimische Gemeinschaft gegen die Angriffe der Mekkaner und ihrer Verbündeten verteidigt. Aus taktischen Gründen haben die Muslime manchmal selbst angegriffen, um eine Bedrohung abzuwenden indem sie den Angriffen der Mekkaner zuvorkamen. Um diese Geschehnisse wirklich beurteilen zu können ist es sehr wichtig, dass man sich mit der Stammesgesellschaft der Araber des siebten Jahrhunderts auskennt. Es gab unter anderem komplizierte Bündnisformen und Schutzversprechen. Vor allem damit muss man sich auskennen. Unsere heutige Gesellschaft kennt diese Dinge nicht, deshalb erscheinen uns viele der damaligen Geschehnisse unverständlich und übertrieben gewalttätig. Wahrscheinlich würde einem Araber aus dem siebten Jahrhundert ein heutiger Krieg unverständlich und äusserst gewalttätig erscheinen. Zum Beispiel im Irak starben wohl über 100′000 Menschen seit dem Angriff der Amerikaner. In den Kriegen zwischen den Mekkanern und den Medinensern starben jeweils nur wenige Menschen, manchmal weniger als zehn Männer.
    Muhammad (sas) hat die Stammesgesellschaft der Araber aufgebrochen und sie unter dem Islam vereint. Vor dem Islam haben sich dauernd irgendwelche Stämme gegenseitig bekämpft. Durch Muhammad (sas) haben diese Stammeskriege nach der (friedlichen) einnahme Mekkas weitgehend aufgehört. Muhammad hat also letztenendes Friede gebracht.
    Eigentlich ist die Frage, die du hier stellst sehr wichtig - und steht immer wieder im Zentrum wenn Muslime und Christen miteinander sprechen. Ich kann sie hier im Rahmen dieses Kommentars nicht gebührend beantworten. Ich empfehle Dir das Buch “Muhammad, sein Leben nach den frühesten Quellen” von Martin Lings. In diesem lesenswerten Buch werden alle Schlachten und die politischen Rahmenbedingungen ausführlich behandelt. Und vor allem erklärt dir dieses Buch auch die damalige Stammesgesellschaft der Araber.

    Warum sprich man vom Islam als der Religion des Friedens?
    Ich weiss es nicht, ich kann nur vermuten. Vielleicht sagt man dies, weil das arabische Wort Islam und das arabische Wort für Frieden, Salam, die gleiche Wurzel haben s-l-m. Von der Bedeutung her müssen sie also grundsätzlich verwandt sein. Islam bedeutet eher “Friede durch die bewusste Hingabe an Allah”. Wenn man sagt, Islam sei die Religion des Friedens, meint man aber mit Frieden wohl eher Friede als Gegenteil von Krieg. Ob das nun etymologisch richtig ist weiss ich nicht.<br />
    Wir Muslime leiden sehr unter dem Terrorismus. Im Islam haben diese Untaten keinen Platz. Der Islam wird oft mit griffigen Aussagen als gewaltätige Religion hingestellt. Vielleicht haben Muslime eben etwas änhnlich griffiges gesucht, um mitzuteilen, dass der Islam eben nicht eine gewalttätige Religion ist.
    Eine andere Frage ist natürlich, was die Gläubigen aus einer Religion machen. Unbestritten gibt es eine kleine Zahl Muslime, die Terrorismus als ein legitimes Mittel ansehen. Dies ist nicht im Sinne des Islams. Genausowenig wie die Untaten der Christen im Sinne des Christentums sind. Die Christen haben eine äusserst blutige Geschichte.

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