Rachid's Blog - Eine Reise in die Gedankenwelt eines Schweizer Muslims
... und manchmal richtet sich ein Text an eine bestimmte Person. Weil die Texte Persönliches berühren können, nenne ich die Person jeweils "Bruder Ali".
Im Schlosspark Schönbrunn
Autor: Rachid | Kategorie: Asma ul-Husna
Ich sitze hier im Schlosspark Schönbrunn. Vögel zwitschern und ein Eichhörnchen huscht vorbei. Vor der Bank, auf der ich sitze, ist der Boden mit Kieselsteinchen bedeckt. Beim etwas abwesenden Betrachten fällt mir auf wie komplex die Struktur des Bodens eigentlich ist. Nur schon dieses kleine Stückchen Boden, das ich mir nun etwas genauer ansehe, ist kaum beschreibbar. Geht man aber in Gedanken einen Schritt näher heran - vom Mesokosmos zum Mikrokosmos könnte man sagen - bestehen die Steinchen aus vielen Molekülen, die in Relation zueinander stehen. Die Moleküle ihrerseits bestehen aus mehreren Atomen, die einem bestimmten Muster folgend verbunden sind. Die Atome wiederum bestehen aus einzelnen Atomteilchen, die bestimmten Regeln folgend zusammenhalten. So gesehen ist dieses kleine Stückchen Boden eine schiere Vielfalt, mit dem menschlichen Verstand nur noch als Vereinfachung fassbar.
Damit aber nicht genug. Obwohl man dies von Auge nicht unbedingt sieht, verändert sich dieses vermeintlich ruhig vor mir liegende Stückchen Boden unaufhörlich. Und wenn es nur die unzähligen Elektronen sind, die um ihre Atomkerne kreisen, oder die Bakterien, die sich auf den Steinchen tummeln. Dieses kleine Stückchen Boden ist zu keinem Zeitpunkt in demselben Zustand wie zuvor oder danach. Die Schöpfung wiederholt sich also nie. Sie wird in jedem Augenblick erneuert, ist in jedem Augenblick anders. Diese Tatsache multipliziert die Komplexität der an sich schon komplexen Struktur des Moments ins Unendliche.
Aber auch damit noch nicht genug! Wenn wir bedenken, dass die sich in der sichtbaren Welt zeigende Form einer geschaffenen Entität nur die Spitze des Eisbergs der sich in der Welt des Verborgenen zeigenden Formen derselben Entität darstellt, so potenziert sich die Komplexität in einem uns verschlossenen Ausmass. Diese unfassbare Vielfalt des Geschaffenen geht aus dem ungeschaffenen aus sich selbst seienden Sein hervor, das unteilbar Eins ist. Allah, al-Wahid, der Eine und Einzigartige.
Wenn wir nun das an diesem kleinen Stückchen Boden Erkannte auf das gesamte Universum übertragen – wie masslos übertrieben erscheint uns doch die Wichtigkeit, die wir unserem eigenen Ego beimessen.
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