Rachid's Blog - Eine Reise in die Gedankenwelt eines Schweizer Muslims
... und manchmal richtet sich ein Text an eine bestimmte Person. Weil die Texte Persönliches berühren können, nenne ich die Person jeweils "Bruder Ali".
Muslimischer Friedhof in Luzern
Autor: Rachid | Kategorie: Gesellschaft, Politik, Islam
Im Februar erhalten die Musliminnen und Muslime des Kantons Luzern ein Gräberfeld im Friedhof Luzern. Warum brauchen die Muslime eigentlich einen eigenen Friedhof?
Seit langem hat die Vereinigung der islamischen Organisationen des Kantons Luzern (VIOKL) mit der Stadt Luzern wegen einem muslimischen Gräberfeld innerhalb des Städtischen Friedhofs verhandelt. Die Stadt wiederum hat sich darum bemüht umliegende Gemeinden in das Projekt einzubinden. Die jahrelange Arbeit zeigt nun Früchte. Der grosse Stadtrat hat am 26. September das Projekt mit einem deutlichen Ja gutgeheissen. Das muslimische Grabfeld um Friedhof Friedental kann nun im Februar eröffnet werden. Unser Grabfeld liegt gleich neben dem alten jüdischen Friedhof. Es bietet Platz für 297 nach Mekka gewandter Gräber. Wir haben das Grabfeld heute besichtigt.
Warum brauchen eigentlich die Muslime einen eigenen Friedhof? Halten die Muslime die Nichtmuslime für unrein und wollen nicht neben ihnen begraben sein? Kein Mensch ist unrein, unabhängig von seinem Glaubensbekenntnis. Kein Mensch ist unrein, weder lebend noch verstorben.
Wenn ein Muslim stirbt, wird sein Körper gewaschen. In Luzern steht dafür in der bosnischen Moschee ein spezieller Raum zur Verfügung. Danach wird der Tote in seine Leichentücher eingewickelt und im Sarg zum Friedhof getragen. Die Muslime sprechen für den Verstorbenen das Totengebet und beerdigen ihn ohne Sarg. Musliminnen und Muslime ruhen in den Gräbern mit dem Kopf auf einer Kopfstütze, so dass ihr Blick über den Körper hinweg nach Mekka gerichtet ist. Folglich werden muslimische Gräber nach Mekka ausgerichtet. Unsere Gräber werden bewusst einfach gehalten. Für Muslime ist die Grabesruhe bis zum jünsten Tag wichtig. Und nicht zuletzt hat das Begräbnis und die Zeit im Grab starke religiöse Aspekte. Wir Muslime möchten auf dem Friedhof mit denen zusammen sein, mit denen wir während unserem Leben gebetet und gefastet haben.
Wir sind mit dem neuen Gräberfeld einige Kompromisse eingegangen, doch insgesamt ist es eine sehr gute Lösung. Die Kompromisse waren, dass
- die Toten im Sarg beerdigt werden, und
- die Gebeine, wenn der Friedhof voll besetzt ist, in einem Grab gesammelt werden.
Der Stadt bin ich sehr dankbar für den neuen Friedhof. Vor allem freue ich mich auch über den sehr eindeutigen Entscheid des grossen Stadtrates.
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