Rachid's Blog - Eine Reise in die Gedankenwelt eines Schweizer Muslims
... und manchmal richtet sich ein Text an eine bestimmte Person. Weil die Texte Persönliches berühren können, nenne ich die Person jeweils "Bruder Ali".
Qur’an 5:33
Autor: Rachid | Kategorie: Qur'an
Immer wieder führen Islam-Hasser den Qur’anvers 5:33 an, um zu beweisen, dass der Qur’an die Muslime zu Gewalt aufrufe. Diese aus dem Zusammenhang gerissene Interpretation entspricht nicht der Botschaft des Islams.
Gestern hat eine Schwester, die Anschuldigungen eines SVP Nachwuchspolitikers zurückweisen möchte, auf LieberBruderAli.com nach einem Qur’anvers gefragt. Ich bin nicht befugt, den Qur’an zu kommentieren oder gar den Qur’an zu interpretieren. Dieser Text ist eine Zusammenfassung der Meinungen verschiedener Qur’an-Kommentatoren wie Muhammad Asad, Yusuf Ali und Muhammad Salim al-Awa.
In der Frage der Schwester geht es um folgendes:
“Die Vergeltung für die, die gegen Gott und seinen Gesandten Krieg führen und auf der Erde umherreisen, um Unheil zu stiften, soll dies sein, dass sie getötet oder gekreuzigt werden, oder dass ihnen Hände und Füsse wechselseitig abgehackt werden.”
Natürlich packt einen das blanke Entsetzen, wenn man diese Zeilen aus dem Zusammenhang gerissen liest. Aber alleine schon der Zusammenhang, in dem dieser Vers steht, schafft einige negative Vorurteile gegen den Islam beiseite. Vers 5:33 kann man nur in Zusammenhang mit dem vorhergehenden Vers 5:32 (Verbot des Tötens) und dem nachfolgenden Vers 5:34 zitieren (Aufforderung zur Vergebung).
Amir Zaidan hat die entsprechende Textstelle folgendermassen ins Deutsche übertragen:
(Qur’an 5:32) Deshalb haben Wir den Kindern Israels geboten, dass, wer einen Menschen tötet - nicht als Vergeltung für einen getöteten Menschen und nicht wegen Anrichten von Verderben auf Erden -, es so sei, als hätte er alle Menschen getötet, und wer ihm das Leben erhält, es so sei, als ob er der ganzen Menschheit das Leben erhalten hätte. Und gewiss, bereits kamen zu ihnen doch Unsere Gesandten mit den deutlichen Zeichen, dann sind viele von ihnen danach auf Erden gewiss des Masses Überschreitende!
(Qur’an 5:33) Die Bestrafung für diejenigen, die Allahs (Din) und Seinen Gesandten durch Muharaba* bekämpfen und Verderben auf Erden anrichten, ist, dass sie getötet oder gekreuzigt oder dass ihre Hände und Füße wechselseitig abgetrennt oder des Landes verwiesen werden. Dies ist für sie Schmach im Diesseits. Und im Jenseits ist für sie übergrosse Peinigung bestimmt.
(Qur’an 5:34) Ausgenommen sind diejenigen, die bereut haben, bevor ihr ihrer habhaft geworden seid. Also wisst, dass Allah gewiss allvergebend, allgnädig ist.
* Muharaba ist die massive Beeinträchtigung des inneren Friedens durch Verbreitung von Angst und Unsicherheit mit Raubüberfällen und Terrorismus.
Die qur’anische Strafe für Terrorismus soll Terrorismus befürworten?
Hier geht es um ein äusserst schweres Verbrechen. Es geht um Leute, die im Innern gegen den Propheten Allahs (sas) kämpfen und dabei Tod und Zerstörung verbreiten, und fortlaufend jedes Mass überschreiten. Es geht dabei um das rücksichtslose Töten von Menschen. In der heutigen Terminologie würde man dies als Terrorismus bezeichnen. Es geht also um eines der schwersten Verbrechen überhaupt - daher die schwere Bestrafung.
Die Behauptung, Vers 5:33 rufe die Muslime zu Gewalt auf, entstellt den Islam. Der textliche, historische und rechtliche Zusammenhang dieses Verses zeigt im Gegenteil auf, dass dieser Vers Bestrafung für ein äusserst schweres Verbrechen fordert, und in keiner Weise im Sinne der Islam-Hasser gedeutet werden kann.
Es ist irritierend, dass die Islam-Hasser den Vers 5:33 als vermeintliches Beispiel nennen, wie der Qur’an ihrer Ansicht nach die Muslime zu Gewalt und Krieg aufrufe. Denn dieser Vers steht direkt nach einem Vers (5:32), der das Töten eines einzelnen Menschen dem Töten der gesamten Menschheit gleichsetzt. Es wird also erst die Schwere des Verbrechens beschrieben, bevor die Strafe beschrieben wird. Doch dieser Teil wird ausgeblendet. Mord und Terrorismus werden im Islam als so schwere Verbrechen angesehen, dass eine schwere Strafe dafür vorgeschrieben wurde. Die Islam-Hasser sehen in Vers 5:33 den Beweis, dass der Qur’an Terrorismus befürworte. Und die muslimischen Gelehrten berufen sich auf eben diese drei Verse, wenn sie erklären, dass Terrorismus im Islam eines der grössten Verbrechen ist. Welche Ironie!
Ist es logisch, jemanden über eine bestimmte Strafe (5:33) zu informieren, ohne vorher zu sagen, für welches Verbrechen die Strafe vorgesehen ist? Die Islam-Hasser tun genau dies, wenn sie einen Teil des Verses 5:33 aus dem Zusammenhang gerissen wiedergeben. Ihre Absicht ist den Islam als gewaltverherrlichende Religion darzustellen.
Der Qur’an sieht in Vers 5:33 verschiedene Strafen vor, mit dem Wort “ODER” verknüpft. Eine Strafe soll doch immer im Zusammenhang mit den Umständen und der Schwere des Verbrechens stehen. Also sieht der Qur’an verschiedene Alternativen vor. Die im vorislamischen Arabien üblichen weit schlimmeren Strafen, wurden durch die Muslime abgeschafft. Doch nicht einmal diese vorislamischen Strafen erreichten die Grausamkeit der im Mittelalter in Europa üblichen Strafen.
Aufrichtiges Bereuen setzt die Bestrafung aus
Wenn man Vers 5:33 erwähnt, darf man den darauf folgenden Vers 5:34 nicht verschweigen. Denn Vers 5:34 sagt, dass diese Strafen nicht für jene gelten, die aufrichtig bereuen bevor es zu spät ist. Allahs - in Seiner unendlichen Gnade - ist bereit selbst Menschen zu vergeben, die rücksichtslose Verbrechen verübt haben, für die solch harte Strafen angedroht wurden. Die muslimischen Gelehrten weisen immer wieder darauf hin: wenn Allah eine Strafe androht, bietet Er dem Menschen immer auch einen Ausweg an, um die Strafe auszusetzen. Zum Beispiel wird in Vers 5:33 die Kreuzigung erwähnt. Viele muslimische Rechtsgelehrte der letzten 1400 Jahren haben gesagt, dass ihnen kein Fall bekannt ist, in dem die Kreuzigung als Strafe zur Anwendung kam. Dies zeigt auf, dass Allah diese Strafen wohl vor allem auch zur Abschreckung im Qur’an erwähnt hat.
Diese Zusammenfassung ist ungenügend, lässt noch viele Fragen offen. Wie gesagt, ich bin nicht die richtige Person um solche Fragen zu beantworten.
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October 15th, 2007 at 5:52 pm
ihrv schreibt kuran total fasch es heisst Kuran und nicht Qur’an!!!
October 15th, 2007 at 11:50 pm
Es gibt kein Fehler für die Schreibweise. Jede Nation umschreibt die arabische Schrift in einer anderen Art und Weise in “lateinische Buchstaben”. Wir sind Brüder, bitte mache doch kein Drama daraus. Gerade ist das Id ul Fitr vorbei und schon kommen unnütze Kommentare auf diesen Blog.
April 16th, 2008 at 5:15 pm
Mit was ihr euch hier befassen tut? Nach der deutschen Buchstabenwahl ist das “q” der geeignetere Buchstabe für Quran als “K”. Falls du des arabischen mächtig sein solltest, dann schaue mal mit welchen arabischen Buchstaben wird denn Quran wiedergegeben? Leider verwenden die Türken immer das “k”, was zur falschen Aussprache der besagten Ayet führt.
June 23rd, 2008 at 5:07 pm
salam
der Betrag von Rashid hat mir echt gut gefalen maschallah Möge Allah dich dafür reichlich belohnen Amin
schade das es immer noch Menschen gibt die viele Verse aus dem Quran einfach falsch interpretieren …
salam