Lieber Bruder Ali

Salamu Alaykum wa Rahmatullahi wa Barakatuh


Rachid's Blog - Eine Reise in die Gedankenwelt eines Schweizer Muslims
... und manchmal richtet sich ein Text an eine bestimmte Person. Weil die Texte Persönliches berühren können, nenne ich die Person jeweils "Bruder Ali".

Die Geschichte meiner Ledertaschen

Autor: Rachid | Kategorie: Persönlich

Als ich vor sechs Jahren meine Frau jeweils zum Schwangerschaftsturnen begleitete kamen wir immer an einem Lederwarengeschäft vorbei. Die hatten diese braunen The Bridge Taschen, die mir sehr gefallen haben. Irgenwann, als das Bedürfnis im mir unerträglich gewachsen war, habe ich meiner Frau gesagt, du, lass mich eine dieser Taschen kaufen. CHF 560 habe ich bezahlt. Für eine lederne Aktentasche bester Qualität aus Florenz. Die Tasche ist auch wirklich ein Meisterstück, das muss man schon sagen.
Aber irgendwie war die Tasche doch eher für das sonnige Wetter Italiens gemacht, und nicht für die verregnete Innerschweiz. Das edle pflanzlich gegerbte Leder war nicht wirklich wetterbeständig. Also habe ich die Tasche nur bei sonnigem Wetter benutzt.

Jahre später stöberte ich mit meiner Frau im Brockenhaus. Sie fand eine Ledertasche und sagte: “Du, das wär doch eine Tasche für dich. Da kannst Du alle Bücher und Papiere reinpacken wenn du rausgehst. Und sie kostet auch nicht viel, nur CHF 6.” Tatsächlich, das war so eine klassische hellbraune Ledertasche für Schüler und Studenten. Eine Tasche vom Sattler, nicht vom Täschner. Extrem robustes dickes Leder, und fast wie neu. Nur sechs Franken. Die Tasche hat mir seither bei jedem Wetter gute Dienste geleistet und wird es insyaAllah noch viele Jahre tun.

Auf der einen Seite habe ich CHF 560 ausgegeben und habe nur einen geringen Nutzen davon. Auf der anderen Seite habe ich CHF 6 ausgegeben und habe einen grossen Nutzen davon. Auf der einen Seite kenne ich Menschen, die viel Geld verdienen, aber es rinnt ihnen durch die Finger als ob keine Baraka darin enthalten wäre. Auf der anderen Seite kenne ich Menschen, die wenig Geld verdienen, in dem aber viel Baraka enthalten ist.

November 18th, 2007.


2 Responses to “Die Geschichte meiner Ledertaschen”

  1. Alex Says:

    Vor nunmehr 15 Jahren habe ich mir in Italien die selbe Ledertasche von Bridge gekauft (damals ca. 250.000 Lire) und erzaehl Dir meine Geschichte dazu:
    Kurz vor dem Beginn meines Diplomabschlusses an der Uni ging mein Studentenrucksack kaputt. Mein Vater hatte (hat immer noch) eine alte Ledertasche. Sie war min. 25 Jahre alt, hatte Kratzer und war leicht verzogen. Nicht wirklich schoen aber mit viel Charme. Er brauchte diese Tasche auch weiterhin, so musste ich mir eine neue Tasche beziehen. Nach mehreren Tagen Recherge, kaufte ich mir eine Ledertasche von Bridge. Sie war nicht mal die teuerste, aber handwerklich einwandfrei gefertigt: dickes Leder, Messingbeschlaege.
    Heute, nach 15 Jahre fast taeglichem Gebrauch, ist meine Tasche leicht eingeknickt, hat eine 5 cm langen Kratzer, mehrere Regentropfenflecken, abgewaetzte Raender, der Griff ist mehr schwarz als braun. Trotz alle dem, ich mòchte auf keinen Fall eine andere/neue Tasche. Diese Tasche soll all meine Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge miterleben. Auf grund der guten Qualitaet wird sie es auch (hoffentlich) erleben (und ueberleben) und nicht weggeschmissen werden. Vielleicht um sie eines Tages meinem Sohn, wenn er es moechte, zu ueberlassen, um weiterhin Geschichten zu sammeln und zu erzaehlen, wie nur das Leben sie schreiben kann.
    Manche Dinge (und Menschen) zeigen ihre vollen und wahren Qualitaeten erst mit der Zeit.

  2. Rachid Says:

    Dies trifft auf The Bridge Taschen zu. Sie sind etwas vom schönsten, was es an Ledertaschen gibt. Es gibt einige Marken, die teurer sind als The Bridge, schöner sind sie aber nicht unbedingt.

    Mir war diese Tasche aber zu schade, um sie im Regen herumzutragen. Heute benutze ich sie um Notizen auszubewahren, die ich während ausgedehnten Gesprächen mit Br. Abdurrahman Reidegeld gemacht habe. Die Tasche liegt vor Kinderhänden geschützt auf einem Büchergestell im Wohnzimmer.

    Inzwischen arbeite ich oft bei Kunden und im Zug. Ich muss in meiner Aktentasche inzwischen mehr mitschleppen als einen Apfel und eine Banane. Jetzt bin ich mit einem Rucksack unterwegs, in dem ich den Notebook, Netzteil, Bücher, Notizen / Unterlagen, Verpflegung etc mitschleppen kann…

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