Jan 14 2009

Holocaust Gedenktag?!

Published by Rachid at 4:21 pm under Gesellschaft, Politik

Medienmitteilung des Kantons Luzern, 14. Januar 2008

Guten Tag Herr Moos

Kommen am Holocaust Gedenktag auch die aktuellen Menschenrechtsverletzungen durch Israel zur Sprache? Die Greueltaten, die die Nachkommen der Holocaust Opfer heute begehen?

Ich bitte Sie um eine Stellungnahme.

Stellungnahme des Bildungs- und Kulturdepartements des Kantons Luzern:

Hier ein paar Überlegungen zu ihrer Anfrage.

Vorweg möchte ich feststellen, dass es durchaus sinnvoll sein kann, auch die aktuellen Menschenrechtsverletzungen, wie sie zurzeit in Gaza geschehen, im Rahmen des Holocaust-Gedenktags zu thematisieren. Die Bezeichnung des Gedenktags ist leider eine Verkürzung - aus praktischen Gründen. Die volle Version lautet: “Tag des Gedenkens an den Holocaust und der Verhütung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit”. Im Kanton Luzern wird, nach sehr positiven Erfahrungen im Jahr 2005, dieser Tag zum zweiten Mal an den Schulen begangen - freiwillig und schulautonom in jeder Beziehung.

In unseren Unterlagen kommt immer wieder zum Ausdruck, dass die Thematik des Gedenktags viel weiter gefasst ist als der Holocaust in Deutschland. Jede Art von Völkermord und ähnlichen Grossverbrechen ist eingeschlossen, so etwa die unglaublichen Schandtaten des Stalinismus, die Genozide in Kambodscha, Ruanda, auf dem Balkan. Der Holocaust in Deutschland ist allerdings von besonderer Tragweite, unter anderem weil er sich in unserem Nachbarland abgespielt hat, weil unser Land teilweise involviert war, weil sich die Folgen des beispiellosen Antisemitismus der Nazizeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bis heute ausgewirkt haben. Auch die aktuellen Ereignisse in Palästina haben Wurzeln im Zweiten Weltkrieg. Das ist keine Entschuldigung für das unverständlich harte Vorgehen Israels. Doch wir sind herausgefordert, die Abgründe heutiger Kriege und Menschenrechtsverstösse in einen geschichtlichen Kontext zu stellen.

Auch wenn die Einladung und Unterlagen an alle Luzerner Schulen sämtlicher Stufen geschickt wurden, besteht nicht die Meinung, dass nun Unterstufen-Kinder mit dieser schwierigen Thematig konfrontiert werden. Auch dieser Aspekt - eine stufengerechte Vermittlung - kommt in den Unterlagen klar zum Ausdruck. Zudem ist nichts “verordnet”, niemand kontrolliert den “Vollzug” - es handelt sich um ein freiwilliges Angebot. Mit den Dossiers von 2005 und 2009 versuchen wir, fundierte Informationen und stufengerechte Anregungen zu vermitteln. Auf der Webseite www.holocaust.edulu.ch können alle Informationen, inkl. das Konzept und der Brief des Bildungsdirektors an die Schulen (Ende Juni 2008) eingesehen werden. Wenn es Ihnen möglich ist, so empfehle ich Ihnen, die neue Dokumentation und weitere Informationen auf der Webseite anzuschauen. Auf Ihren Wunsch schicken wir Ihnen eine Dokumenationen in Papierform.

Selbstverständlich sprechen wir hier von Themen, deren Behandlung immer auch Fragen und Widerspruch auslösen. Das darf und soll so sein.

In diesem Sinne grüsse ich Sie freundlich

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