Jan 11 2010

Weise Worte von Muhammad Ibn ul-Habib

Published by Rachid at 7:00 am under Islam

Auf der Website von Abu Bakr Rieger habe ich einen sehr schönen Text vom grossen Gelehrten Muhammad Ibn al-Habib (Rahmatullahi alaih) gefunden, der mich sehr berührt hat. Ich möchte dir hier einen Auszug wiedergeben:

Befreie das Selbst vom eigenen Handeln und dies wird dir Erleuchtung bringen.

Hüte dich vor der Angst um deine Versorgung, denn dies ist die Verantwortung des Schöpfers.

Die höchsten und lobenswertesten Eigenschaften sind in diesen beiden guten Handlungen enthalten: Denke das Beste über Allah und dann denke das Beste über Seine Sklaven.

Halte dich an diese beiden (Grundsätze) und vermeide es, eigensinnig zu sein.

Der unmittelbarste Weg zu Allah ist der regelmäßige Dhikr von Allahs Namen.

Denn es ist der Erhabene und Höchste Name, der, genaugenommen, größer ist, als alle anderen bekannten Namen.

Wendest du dich dem Dhikr des Schöpfers zu, so befreie das Herz vollständig von jeder Andersheit.

Betrachte die Geheimnisse des Allwissenden und sei aufmerksam! Vermeide eitles Gerede darüber. Hör auf damit.

Vielmehr solltest du nach deiner falschen Handlung um Vergebung bitten in aufrichtigem Flehen und Bedauern.

Wende dich Ihm zu und begreife, dass jede Handlung, mit der du Ihm gehorchst, tatsächlich ein Geschenk ist, das Er dir gab.

Preise Ihn, ganz gleich ob es gut geht oder schlecht, denn Er ist der Handelnde in jeder Angelegenheit.

Ich mag diesen Text so sehr, dass ich ihn auf einen kleinen Zettel gedruckt und in meinen Filofax geheftet habe. So kann ich ihn immer mal wieder lesen und über diese weisen Worte nachdenken.

15 Responses to “Weise Worte von Muhammad Ibn ul-Habib”

  1. Olion 26 Jul 2007 at 4:22 pm

    Hallo ich habe mal ne Frage und bitte ja nicht falsch verstehen.

    Vorneweg: Ich bin gläubiger Christ und habe mein Leben Jesus geschenkt.

    Nun habe ich viel in der Bibel gelesen und auch einwenig im Koran gestöbert. Und da tauchte bei mir eine Frage auf, die mir seit dieser Zeit immer auf der Zunge lag. Da ich aber keinen Kontakt zu Muslimen pflegen (nicht absichtlich), stelle ich diese Frage nun einfach Dir.

    Mir ist aufgefallen, dass Allah ein Herrscher ist. Damit meine ich, dass er eigentlich nur befiehlt und Du musst gehorchen. Wie Du ja oben schreibst “Denke das Beste über Allah und dann denke das Beste über Seine Sklaven.” Mit Sklaven sind ja sicherlich die Gläubigen resp. der Mensch gemeint. Wir haben unseren Gott-Vater. Den liebenden Vater und sein Sohn (sowie den Heiligen Geist), bei dem wir um Erlösung unserer Sünden beten können.

    So jetzt zu meiner Frage: Warum wird, wenn man vom Islam liesst immer von der Religion des Friedens gesprochen? Viele Stellen im Koran sind meiner Ansicht nach alles andere als friedlich.

    Ich habe mal einen Vergleich gemacht. Als Moses sich bekehrt hat, wurde er von grosser Liebe umgeben und erfüllt und er spürte wie Gott in sein Innerstes einkehrte. Im Koran habe ich dann die Stelle gelesen, als Mohammed von Gottes Geist erfasst wurde. So in groben Zügen wurde geschrieben, dass Mohammed wie von einem weissen Tuch umhüllt wurde, dass ihm die Luft abschnitt und ihn zu Boden schleuderte.

    Ausserdem war doch Mohammed alles andere als friedlich. Ich fand einfach, dass das neue Testament um weiten mehr von Frieden berichtet als der Koran. Wie siehst Du das? Woher kommt der Begriff: Religion des Friedens?

  2. Rachidon 27 Jul 2007 at 7:20 am

    Lieber Oli, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde deine Fragen sehr wichtig und freue mich, dass du sie stellst. Ob ich der richtige bin, um diese Fragen zu beantworten, weiss ich nicht. In deinem Kommentar ist eine ganze Menge Fragen verpackt.

    Viele Stellen im Qur’an sind deiner Ansicht nach alles andere als friedlich.
    Ja, diesen Eindruck hat man vielleicht beim Lesen einer unkommentierten Übersetzung. Zum Verständnis eines Qur’anverses ist es wichtig, dass man dessen Offenbarungsanlass kennt. Meinen Brüdern rate ich jeweils, nicht einfach einen Qur’anvers zu nehmen und etwas daraus abzuleiten, denn dies führt oft zu einem Irrtum, wenn man die Grundlagen dazu nicht hat. Siehe auch den Artikel “Übersicht über die Disziplinen der Islamologie”. Wenn du, lieber Oli, mehr über den Islam wissen möchtest, empfehle ich dir die Bücherliste, die du unter “Bücher” auf LieberBruderAli.com findest. Allen voran “Muhammad, sein leben nach den frühesten Quellen” und “al-Aqida, Einführung in die Iman Inhalte”. Wenn Du die Offenbarungsanlässe und die verschiedenen Interpretationen dieser betreffenden Verse kennst, dann verliert sich dieser erste Eindruck oft.

    Ist Gott ein Herrscher?
    Er ist Gott, einzig. Gott ist der absolut Selbständige, der niemandem bedarf, alles und jeder aber bedarf Seiner. Nie zeugte Er und nie wurde Er gezeugt, und nie ist Ihm jemand ebenbürtig. Er ist Gott, derjenige, ausser dem es keine Gottheit gibt, der Allwissende über das Verborgene und das Sichtbare. Er ist der Allgnade Erweisende, der Allgnädige. Er ist Gott, derjenige, ausser dem es keine Gottheit gibt, der Herrscher, der absolut Reine, der absolut Makellose, der Sicherheit Gewährende, der über alles Verfügende, der Allwürdige, der Allbezwingende, der über allem Stehende. Gepriesen und erhaben ist Gott über das, was sie Ihm beigesellen. Er ist Gott, der Erschaffende, der Existenz Verleihende, der Formende. Ihm gehören die Schönsten Namen. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, lobpreist Ihn. Und Er ist Der Allwürdige, Der Allweise.

    Sind mit Sklaven die Menschen gemeint?
    Manch tiefgläubiger Muslim nennt sich selbst einen Sklaven Gottes. Dadurch drückt er aus, dass er sich Gott vollkommen hingibt. Er will nicht nur der Diener Gottes sein, sondern der Sklave.
    Du, lieber Oli, betest zu Gott um die Erlösung deiner Sünden. Das tun wir Muslime auch. Wir bitten Gott um Vergebung unserer Sünden. Denn schlussendlich sind wir Menschen auf die Vergebung, die Güte und die Liebe Gottes angewiesen.

    Wie begann die Prophetenschaft Muhammads (sas)?
    Diese Frage, lieber Oli, möchte ich in den nächsten Tagen im Rahmen eines Blog Posts etwas ausführlicher beantworten.

    War Muhammad (sas) alles andere als friedlich?
    Gottes Prophet Muhammad (sas) hat nach der Emigration von Mekka nach Medina die muslimische Gemeinschaft gegen die Angriffe der Mekkaner und ihrer Verbündeten verteidigt. Aus taktischen Gründen haben die Muslime manchmal selbst angegriffen, um eine Bedrohung abzuwenden indem sie den Angriffen der Mekkaner zuvorkamen. Um diese Geschehnisse wirklich beurteilen zu können ist es sehr wichtig, dass man sich mit der Stammesgesellschaft der Araber des siebten Jahrhunderts auskennt. Es gab unter anderem komplizierte Bündnisformen und Schutzversprechen. Vor allem damit muss man sich auskennen. Unsere heutige Gesellschaft kennt diese Dinge nicht, deshalb erscheinen uns viele der damaligen Geschehnisse unverständlich und übertrieben gewalttätig. Wahrscheinlich würde einem Araber aus dem siebten Jahrhundert ein heutiger Krieg unverständlich und äusserst gewalttätig erscheinen. Zum Beispiel im Irak starben wohl über 100′000 Menschen seit dem Angriff der Amerikaner. In den Kriegen zwischen den Mekkanern und den Medinensern starben jeweils nur wenige Menschen, manchmal weniger als zehn Männer.
    Muhammad (sas) hat die Stammesgesellschaft der Araber aufgebrochen und sie unter dem Islam vereint. Vor dem Islam haben sich dauernd irgendwelche Stämme gegenseitig bekämpft. Durch Muhammad (sas) haben diese Stammeskriege nach der (friedlichen) einnahme Mekkas weitgehend aufgehört. Muhammad hat also letztenendes Friede gebracht.
    Eigentlich ist die Frage, die du hier stellst sehr wichtig - und steht immer wieder im Zentrum wenn Muslime und Christen miteinander sprechen. Ich kann sie hier im Rahmen dieses Kommentars nicht gebührend beantworten. Ich empfehle Dir das Buch “Muhammad, sein Leben nach den frühesten Quellen” von Martin Lings. In diesem lesenswerten Buch werden alle Schlachten und die politischen Rahmenbedingungen ausführlich behandelt. Und vor allem erklärt dir dieses Buch auch die damalige Stammesgesellschaft der Araber.

    Warum sprich man vom Islam als der Religion des Friedens?
    Ich weiss es nicht, ich kann nur vermuten. Vielleicht sagt man dies, weil das arabische Wort Islam und das arabische Wort für Frieden, Salam, die gleiche Wurzel haben s-l-m. Von der Bedeutung her müssen sie also grundsätzlich verwandt sein. Islam bedeutet eher “Friede durch die bewusste Hingabe an Allah”. Wenn man sagt, Islam sei die Religion des Friedens, meint man aber mit Frieden wohl eher Friede als Gegenteil von Krieg. Ob das nun etymologisch richtig ist weiss ich nicht.<br />
    Wir Muslime leiden sehr unter dem Terrorismus. Im Islam haben diese Untaten keinen Platz. Der Islam wird oft mit griffigen Aussagen als gewaltätige Religion hingestellt. Vielleicht haben Muslime eben etwas änhnlich griffiges gesucht, um mitzuteilen, dass der Islam eben nicht eine gewalttätige Religion ist.
    Eine andere Frage ist natürlich, was die Gläubigen aus einer Religion machen. Unbestritten gibt es eine kleine Zahl Muslime, die Terrorismus als ein legitimes Mittel ansehen. Dies ist nicht im Sinne des Islams. Genausowenig wie die Untaten der Christen im Sinne des Christentums sind. Die Christen haben eine äusserst blutige Geschichte.

  3. simsalabim66@hotmail.comon 11 Jan 2010 at 2:18 pm

    Salam liebe Freunde

    Bruder Oli stellt tatsächlich wichtige Fragen, über deren Antwort Nicht-Muslime oft ein anderes (man könnte auch sagen Miss-)Verständnis haben, als das Selbstverständnis der Muslime. Die Klärung solcher Fragen (und auch derjeniger von Muslimen an die Christen) ist essentiell für die Schaffung von Vertrauen und Brücken, sofern man an die Möglichkeit des Vorhandenseins von Brücken glaubt (viele gehen apriopri von Unüberbrückbarkeit aus).

    Bruder Rachid hat meiner Meinung nach die Fragen gut beantwortet und auch ich kann wirklich das Buch “Muhammad. Sein Leben nach den frühesten Quellen” empfehlen. Vorausgesetzt der Leser bringt ein aufrichtiges Interesse und innere Offenheit mit (was überigens die Eigenschaften eines jeden wahrheitssuchenden Menschen sind).

    Ich möchte hier nur noch etwas zum Konzept “Gottes Sklave bzw. Diener” im Islam sagen:
    Der Prophet Muhammad (saw) selbst erhält bei seinen höchsten Erlebnissen den Titel “Gottes Sklave/Diener” und dies ist in der Tat der höchste Rang, den ein Mensch erreichen kann. Der Mensch muss zuerst Sklave der Wahrheit sein, bevor er sein Botschafter/Gesandter sein kann. Sklave bedeutet per Definition die Ergebung des Körpers und der Seele seinem Meister. Und die Hingabe dem göttlichen Willen bedeutet ja Islam und nur dadurch kann der Grosse Friede erlangt werden (im weitest möglichen Sinne, welcher unsere Begrifflichkeit übersteigt und nicht mit dem Abwesendsein von Krieg verglichen werden kann).

    Moderne Übersetzer bevorzugen normalerweise das Wort “Diener” wegen den hässlichen und finsteren Konnotationen, die das Wort “Sklave” im Westen hat. Einerseits wegen des Rassenvorurteils (-wahns), der die Basis der Sklaverei in Amerika war und andererseits wegen der Grausamkeit und Ausbeutung, die damit verbunden werden. Sklaverei in der einfachen Gesellschaft des alten Arabiens hatte keines dieser Merkmale und war deshalb nicht ein Ausdruck der Unehre.

    Obwohl das Wort “Diener” Vorteile in diesem Kontext hat, schwächt und verfälscht es sogar die Bedeutung des arabischen Ausdrucks “abd”. Ein Diener arbeitet für seinen Lohn, und es kann sein, dass er kündigt und sich verabschiedet, wenn ihm die Bedingungen seines Diensts nicht passen. Er kann auch seinen Willen gegen seinen Arbeitgeber setzen. Aber Gott ist kein Arbeitgeber, noch sind seine Gesandten Angestellte. Der “Sklave Gottes” ergibt seinen Willen dem seines Meisters, wodurch er die Qualität spiritueller Armut (faqr) veranschaulicht, welche an der Wurzel des Islam liegt und dem Christentum nicht fremd ist.

    Es ist im Islam unvorstellbar, ja blasphämisch, dass jemand oder etwas sich dem Absoluten Willen widersetzten könnte. Die Tatsache das viele Menschen Gottes Gebote missachten ändert daran nichts und ich kann dies vielleicht mit Goethes Worten am besten erläutern:
    “Wenn Islam Gott ergeben heisst,
    In Islam leben und sterben wir alle.”

    Ich hoffe ich konnte mit meinen Ausführungen eurer Diskussion beitragen.

    Wasalam
    Ibrahim

  4. Rachidon 11 Jan 2010 at 3:29 pm

    Salamu Alaykum Ibrahim

    Wann treffen wir uns endlich mal?

    Salam
    Rachid

  5. simsalabim66@hotmail.comon 15 Jan 2010 at 10:45 am

    Salam Bruder Rachid
    Hab dir zu deinem letzten Kommentar ein Email geschrieben.
    Wasalam
    Ibrahim

  6. Rachidon 15 Jan 2010 at 11:09 am

    Salamu Alaykum Ibrahim

    Dschazak Allahu Chairan, ich habe es empfangen. Im Moment bin ich mit Lernen ziemlich ausgelastet, morgen beginnen die Semesterprüfungen. Danach kommt dann noch das letzte Semester, Alhamdulillah.
    Ab 25.01.2010 habe ich wieder Ruhe. Gib mir doch danach Bescheid, wann Du mal in Zürich durchfährst und wir uns da treffen könnten.

    Salamu Alaykum
    Rachid

  7. simsalabim66@hotmail.comon 15 Jan 2010 at 11:30 am

    Ok das mache ich inshAllah. Dann wünsche ich dir noch viel Erfolg bei deinen Prüfungen.

    Wasalam

  8. Danielon 16 Jan 2010 at 11:24 am

    Hallo zusammen
    Als Gegner des Minarettverbotes nimmt es mich wunder, wie die Schweizer Muslime zum Attentat auf den Karikaturisten Kurt Westergaard und den versuchten Bombenanschlag auf die Jyllands-Posten stehen.

  9. Rachidon 17 Jan 2010 at 10:32 am

    Guten Morgen Daniel

    Danke für Deine Nein-Stimme. Was ich über das Detroit Attentat denke steht in einem Beitrag von Anfang Januar hier:
    http://www.lieberbruderali.com/2010/01/03/der-detroit-attentater/

    Das gesagte lässt sich auch auf die Selbstjustiz an diesem Karikaturisten übertragen. Vom Gesetzgeber würde ich erwarten, dass derartige Beleidigungen nicht ungestraft unter “Meinungsfreiheit” laufen. Oder versucht sowas mal mit den Juden zu machen… Da wird die Meinungsfreiheit gleich mit dem Vorwurf “Antisemitismus” niedergeschlagen.

    Rechtsgleichheit? Muslime sind nicht nur in der Schweiz Bürger zweiter Klasse.

    Gruss
    Rachid

  10. Danielon 17 Jan 2010 at 10:47 pm

    Hi Rachid
    Danke für die Antwort. Wenn sie mir auch noch nicht ausreicht. Erlaubst du mir zu präzisieren? Salman Rushdie wurde von Khomeini, keinem Wahhabiten, mit einer Fatwa belegt. Ruschdi ist wie Westergaard nicht rechtskräftig verurteilt. Wie steht ihr zu diesen beiden Fällen? Natürlich gibt es in allen Religionen die Liberalen und Konservativen, aber das Ja zur Initiative kam bestimmt aus einer grossen Unsicherheit heraus, auf welcher Seite Schweizer Muslime stehen. Verteidigt ihr in diesem Fall vehement den Rechtsstaat oder gilt da mehr die Religion?

  11. Rachidon 18 Jan 2010 at 2:47 pm

    Guten Tag Daniel

    Beide Beispiele sind etwas unglücklich. Westegaard lebt in Dänemark oder Holland (bin nicht so gut informiert). Khomeini war ein Schiite. Über seine Fatwas müsstest Du einen Schiiten befragen. Ich verstehe aber um was es Dir bei Deiner Frage geht. Es geht Dir darum, ob wir in der Schweiz lebenden Muslime uns an die Schweizer Rechtsordnung halten.

    Der Frage “Verteidigt ihr in diesem Fall vehement den Rechtsstaat oder gilt da mehr die Religion?” impliziert, dass Bluttaten zur Ehrrettung von der Religion vorgeschrieben und alle Fatwas bindend sind. Dem ist definitiv nicht so, obwohl die Medien tatsächlich ein solches Bild vermitteln.

    Eine Fatwa ist ein räumlich und zeitlich beschränktes Rechtsgutachten eines islamischen Rechtsgelehrten, welcher den Gelehrtengrad eines Mutschtahids innehat, um Antworten auf individuelle Fragen zu geben, die in den klassischen Werken der vier Rechtsschulen nicht behandelt wurden. In jedem einzelnen Fall muss also geprüft werden, ob eine Fatwa sich auf einen anderen Fall übertragen lässt (Fragestellung/Umstände, Ort, Zeit) und ob der Fatwagebende den Gelehrtenrang eines Mutschtahids hat. Über den Daumen würde ich sagen, dass diese Bedingungen nur in den wenigsten Fällen erfüllt sind.

    Es gibt heute, vor allem im Internet, eine riesige Anzahl von sogenannten “Fatwas”, die allerlei Verbotenes als erlaubt hinstellen und umgekehrt. So gibt es z.B. Fatwas, die das Zinsnehmen erlauben. Und meistens gibt es eine Fatwa die “Ja” sagt und eine andere die “Nein” sagt. Wo kämen wir hin, wenn wir all diese “Fatwas” befolgen würden?

    An den Kursen des Islamologischen Instituts haben wir folgendes gelernt: Die Rechtsordnung des Landes in welchem ein Muslim sich befindet ist bindend. Wenn allerdings z.B. das Verrichten des Gebets durch ein Gesetz verboten wird, geratet der Muslim in einen Zwiespalt zwischen den Geboten Allahs und den Gesetzen des Landes in dem sie sich befinden. In diesem Fall könnten wir das Verrichten des Gebets nicht unterlassen und wären gezwungen, in ein anderes Land zu flüchten. Dies gilt für alle unerlässlichen religiösen Pflichten wie Bekenntnis, Gebet, Fasten, Zakat etc. Soweit ich mich erinnere war es Abdurrahman Reidegeld, der in Frankfurt an einem Islamologiekurs dies gesagt hat. Ich hoffe, ich habe es korrekt wiedergegeben. Ich bin nicht in der Lage, von mir aus solche Fragen zu beantworten, d.h. ohne mich auf die Aussage eines Gelehrten berufen zu können.

    Aber wie schon gesagt: Selbstjustiz wie z.B. an Westegaard versucht wurde, oder wie es von Khomeini für Salman Rushdi gefordert wurde, ist sowohl von der Schweizer Gesetzgebung als auch vom Islam her verboten.

    Ich hoffe dies beantwortet Deine Frage. Falls nicht, schlage ich vor, dass wir die Frage z.B. an Abdurrahman Reidegeld oder an Amir Zeidan weiterleiten. Die beiden können Dir eine bessere Antwort geben als ich.

    Gruss
    Rachid

  12. Danielon 19 Jan 2010 at 3:01 am

    Vielen Dank Rachid, für deine ausführliche Antwort. Ich verstehe jetzt auch das Wort “Fatwa” etwas besser.

    In einigen Gesprächen mit Ja-Stimmern wurde mir klar, dass die Initiative weniger ein Votum gegen Muslime ist, als vielmehr ein nicht kennen. Unsere Verfassung ist eine lebendige Verfassung. Da kann sie durchaus einmal eine aktuelle “Stimmung” aufnehmen. Gleichzeitig hat unsere Verfassung einen starken liberalen Charakter. Ich bin überzeugt, wir werden diesen unsäglichen Artikel wieder herauskippen. Die Frage ist nur wann.

    Muslime können den liberalen und weltoffenen Schweizern dabei helfen. Sendet in solchen Momenten starke Worte in die Welt hinaus. Benennt euer Missfallen. Da darf es auch gerne heissen: “Wir heissen die Karikatur nicht gut. Aber wir heissen die Gesetzte in den Ländern in denen wir leben gut. Und wir fordern keine Sonderrechte”. Das hilft uns, euch besser zu verstehen und baut Ängste ab.

    Wenn es im ersten Moment auch schwierig ist zu glauben, selbst viele SVPler verlieren im persönlichen Kontakt die Angst und Abneigung vor dem Fremden.

    In diesem Sinne alles Gute.

  13. Rachidon 19 Jan 2010 at 10:46 am

    Guten Morgen Daniel

    Ja, das ist so. Informieren / Öffentlichkeitearbeit muss hohe Priorität haben für uns Muslime in der Schweiz.

    Gruss
    Rachid

  14. persia9085on 08 Feb 2010 at 5:38 pm

    @Daniel

    Ich bin durch Zufall auf eure Beiträge gestoßen
    und wollte eine Anmerkung zu deiner Frage machenn , bezüglich Salman Rushdie
    Ich bin selber Iraner und Shiite
    Im Falle Salman Rushdie gab es Rechtsgelehrte die sich gegen die Fatwa von Salman Rushdie ausgesprochen haben
    Groß Ayatollah Montazari (ist vor kurzem verstorben) hat sich entschieden gegen die Fatwa von Salmam rushdie ausgesprochen

    Es gibt Sachen , die mehr mit Politik zu tun haben als mit Religion

  15. Rachidon 09 Feb 2010 at 1:04 am

    Salamu alaykum Bruder

    Interessant. Leider spricht man immer von “dem Iran”, dass es z.B. zu dieser Fatwa gewichtige Gegenstimmen wie Ayatollah Muntazeri gibt, ist den wenigsten bewusst. Danke für Deinen Kommentar.

    Salamu alaykum
    rachid

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