Archive for the 'Interview' Category

Jan 06 2010

Interview mit A. Reidegeld: Einflüsterung

Allah, subhanahu wa ta’ala, sagt im Qur’an sinngemäss:

Sag: “Ich suche Schutz beim Herrn der Menschen, beim Herrscher über die Menschen, bei der Gottheit der Menschen vor dem Bösen des sich versteckenden Einflüsterers - der in den Brüsten der Menschen einflüstert - von den Dschinn und den Menschen.”

(Qur’an 114:1-6)

In der Surat an-Nas warnt uns Allah, subhahahu wa ta’ala, vor den Einflüsterungen Scheytans. Bruder Ahmad Abdurrahman Reidegeld, der Autor des Standardwerks Handbuch Islam, gibt uns im Gespräch Hinweise wie wir die Einflüsterung Scheytans erkennen und abwehren können.

Abdurrahman Reidegeld während eines Besuchs in der Innerschweiz

Rachid: Was muss man sich unter Einflüsterungen genau vorstellen?

Abdurrahman Reidegeld: Die Einflüsterung des Schaytan (verflucht sei er) geschieht auf besondere Weise: der Betreffende kann nur mit viel Erfahrung feststellen, dass die Gedanken, die ihm da kommen, NICHT von seiner eigenen Seelenwelt her stammen. Tatsächlich scheint es dem Menschen, dem da eingeflüstert wird, dass er selbst diese Gedanken gefasst habe. Besonders wenn jemand charakterlich und in seiner Persönlichkeit nicht gefestigt ist, neigt er dazu, auch diese Einflüsterung als SEIN EIGENES zu nehmen.In Wirklichkeit aber gibt es Indizien (Anzeichen), wenn es eine konkrete Einflüsterung ist. Besonders wenn man Streit anfängt, ohne dass es zu erwarten wäre, ungeduldig ist usw., UND ZUGLEICH man das Gefühl nicht los wird, dass eine sonst ungewohnte Heftigkeit von einem Besitz nimmt, dann ist das ein SICHERES Zeichen.Andererseits ist es so, dass es bestimmte EINFALSTORE für den Einfluss des Schaytan gibt, durch die er direkten Einfluss nehmen kann auf Denken und sogar Persönlichkeit eines betroffenen Menschen.

Rachid: Einfallstore? Meinst du damit bestimmte individuelle Schwächen, die wir haben?

Abdurrahman Reidegeld: Diese Einfallstore sind zunächst nicht individuell: sie bestehen als solche bei jedem Menschen, nur sind sie grundsätzlich verschlossen. Die wichtigsten werden ausgelöst durch die vier großen Überschreitungen des Maßes:

  • sehr heftiger Zorn
  • übergroße Freude
  • sehr tiefe Trauer
  • sehr starke Unachtsamkeit

In diesen Momenten sind diese vier Einfallstore für Dschinn- und Teufelwesen geöffnet, es kann zu direkter Einflüsterung oder sogar körperlicher Beeinflussung des Betroffenen kommen.Aus diesem Grunde ist es (mit starker Belegkraft durch Qur’an und Hadith) in allen islamischen Ortstraditionen üblich, Schutzformeln zu sprechen, mit denen man Zuflucht bei Allah (t) sucht.Entscheidend ist - wie die Gelehrten feststellen -, dass einer der Namen Allahs (t) in diesem Moment des “Außer-Sich-Seins” gesprochen oder gedacht oder rezitiert wird: wenn das geschieht, ist das jeweilige Einfallstor geschlossen.

Rachid: Wie nutzt Scheytan diese Schwächen aus?

Abdurrahman Reidegeld: Das geschieht ganz einfach: diese Zustände müssen entweder hervorgerufen oder - wenn bereits ansatzweise gegeben - ausgenutzt und erweitert werden. Das geschieht, indem etwa jemand, der leicht erzürnt ist, durch ein Familienmitglied gereizt, beleidigt, herausgefordert wird. So wird dieses Tor in der Regel DURCH EINFLUSS EINES ANDEREN geöffnet, der wiederum nur INSTRUMENT ist.Die Gelehrten und Wissenden unterscheiden mehrere Stufen dieser Zugänglichkeit. Ist ein Mensch in einem Zustand der Unausgewogenheit, weil er sich niedrigen Begierden und nichtigen Deingen widmet,. Die Ibadat vernachlässigt, Unrecht ausübt usw., sind diese Tore ohnehin nicht wirklich geschlossen, es genügt einem jeden Teufelwesen eine einfache Einflüsterung.Ist ein Mensch aber gefestigter, gehen die üblen Kräfte den Weg des direkten Angriffs: die Gefühle, die diese vier Tore öffnen, sollen erzeugt werden durch Bilder, durch Vorspiegelungen, manchmal durch Träume oder Tagträume besonderer Art.Ist das nicht möglich, greifen die Teufelwesen zu dem nächst-übleren Weg: sie beeinflussen Menschen in der direkten Umgebung der Zielperson, vorzugsweise Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen, Vorgesetzte, usw.

Rachid: Wie geht Scheitan da vor?

Abdurrahman Reidegeld: Diesen wird etwas eingeflüstert, um Neid, Hass, Missgunst, hämischer Spott usw. hervorzubringen, aber mit dem Zweck, eben die Zielperson so aus dem Gleichgewicht zu bringen, dass eines (oder mehrere) dieser Tore geöffnet werden.Andererseits gibt es Momente, in denen niemand vor diesen seelischen Ausnahmezuständen gefeit ist; der einzige wirksame Schutz besteht in der Gewohnheit, schützende Du’as und als Schutz dienende Ayat zu rezitieren.

Rachid: Warum Gewohnheit?

Abdurrahman Reidegeld: Eine Gewohnheit wird zum festen Handlungsbestandteil eines geübten Menschen. In der Ausnahmesituation selbst ist der Mensch außerstande, reaktionsschnell und passend das Richtige zu finden, wenn esihm nicht schon durch Übung UND Gewohnheit “in Fleisch und Blut” übergegangen ist. Vergleichbar ist das mit einem erfahrenen Autofahrer, der sich nicht alle Verkehrszeichen und -umstände bewusst macht, sondern aus dem Unterbewusstsein heraus fahren kann (Stichwort: er fährt die Strecke im Schlaf, einschließlich aller Ampeln und Umleitungen usw.).

Rachid: Bei welcher Gelegenheit soll man welche Du’as und Ayat rezitieren?

Abdurrahman Reidegeld: Hierzu gibt es eine ganze Reihe von Überlieferungen des Propheten (saws), die Sahih bzw. akzeptabel sind, sowie Erfahrungswerte vieler Gelehrter.Sehr wichtig ist das Du’a an den Grenzen von Tag und Nacht, zuerst nach Maghrib, aber auch vor Sonnenaufgang (Schurûq). Hier ist sicher überliefert, jeweils 3 mal (bzw. 5 mal oder 7 mal) hintereinander die drei letzten Suren al-Ikhlâs, al-Falaq, an-Nâs zu rezitieren, und dieser Rezitation ein Du’a folgen zu lassen, in dem man Allah (t) um Schutz vor allem Übel und Bösen und Schaden bittet, was einem gemäß Qadr und Qadâ’ zustoßen kann. In diesem Du’a sollten mehrere Elemente vorhanden sein, die allgemein auch beim Du’a empfohlen sind: Zuerst das Istighfâr (um Vergebung bitten), dann al-Hamd (Lobpreisung Allahs), Segen für den Propheten (Salawât a la-n-nabîy) und die Formel “innaka alâ kulli schai’in qadîr” (Wahrlich, Du vermagst alles zu tun / bist aller Dinge mächtig). Der Abschluss sollte mit Segen für en Propheten (saws) und der Hauqala-Formel geschehen (wa-lâ haula wa-lâ quwwata illâ bi-llâhi-l-alîyyi-l-azîm).Diese Du’as und andere zeitgebundene Du’as beziehen ihre Wirkkraft aus der Besonderheit des Zeitpunktes; der Prophet (saws) betont in etlichen Hadîthen, dass nicht jede Zeit gleich jeder anderen Zeit sei, bzw. dass manche Zeiten derart sind, dass in ihnen ein Du’a besonders gut akzeptiert wird. Berühmt ist die Überlieferungh bezüglich des Du’as nach dem Freitagsgebet, nach den Asr des Freitages, nach der Erfüllung eines Gelöbnisses, nach der vollständigen Rezitation des Qur’an.Hier schließen sich schon inhaltlich diejenigen Du’a-Anlässe an, die weniger zeitgebunden, als anlassgebunden sind.Insbesondere zu Einflüsterungen wird die Rezitation der Sure an-Nâs empfohlen, zum Schutz die Ayat al Kursî, usw. Weniger bekannt ist, dass auch Du’as zu diesen Anlässen überliefert sind, die man auch im Anschluss an Ayat (wie die oben genannten) sprechen kann.Sehr wichtig ist die Nennung der jeweils passenden Namen Allahs (t), entsprechend der qur’anischen Aufforderung, Ihn (t) doch bei seinen Namen zu nennen, gerade auch im Du’a. Jeder Name steht auch für einen besonderen Aspekt Allahs, einer besonderen Eigenschaft, und im Du’a sollte der genannte Gottesname der Ausrichtung des Du’a entsprechen - ansonsten ist ein innerer Fehler (Khalal) im Du’a und schwächt die Auswirkung des Du’a.So sei zu diesem Punkt auch erwähnt, dass man zunächst die Du’a-Arten unterteilen sollte: wer sich nicht klar macht, welcher Art sein Du’a ist, kann logischerweise auch den dazu passenden Gottesnamen nicht wählen.Zum Aspekt des Schutzes passt etwa der Name Allahs (t) : Hafîz, zum Wissenserwerb der Gottesname `Alîm, usw.Die häufigsten Aspekte des Du’a sind sicherlich das Bedürfnis nach Schutz vor Übel, Wunsch nach Gesundheit, Streben nach Wissen, Bitte um Aufhebung einer schwierigen Lage im Leben.

Rachid: Lieber Bruder Abdurrahman, ich danke dir für das Gespräch.

2 responses so far

Oct 23 2007

Interview mit Yusuf Sabadia, Präsident der islamischen Gemeinde Luzern

Published by Rachid under Interview, Menschen, Vereine, Islam

Yusuf Sabadia hat seinerzeit die Gründung eines muslimischen Dachverbandes im Kanton Luzern angeregt und und den Verband in der Aufbauphase begleitet. Heute präsidiert Yusuf Sabadia die Islamische Gemeinde Luzern.

Yusuf Sabadia ist der Vater des Dachverbandes der Luzerner Muslime, der Vereinigung der islamischen Organisationen des Kantons Luzern (VIOKL). Es ist Yusuf Sabadias Verdienst, dass die Muslime im Kanton Luzern sich damals an einen Tisch gesetzt haben, und heute enger zusammenarbeiten. Nach der Abwahl von Petrit Alimi, dem ersten VIOKL Präsidenten, war Yusuf Sabadia Präsident der Vereinigung der islamischen Organisationen des Kantons Luzern (VIOKL). Etwa ein Jahr nach der Gründung der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL), der er seit ihrer Gründung als Präsident vorsteht, hat er das Amt des VIOKL Präsidenten an Abdulnasser Callaku abgegeben.

Yusuf Sabadia, IGL Präsident

Rachid: Lieber Bruder Yusuf, im Jahr 2002 wurde die Vereinigung der islamischen Organisationen des Kantons Luzern (VIOKL) gegründet. Was ist der Zweck dieses Vereins?

Yusuf: Seit Mitte der 90er Jahren geben sich die verschiedenen ethnischen Gruppen viel Mühe, sich besser kennen zu lernen und sich durch den ihnen gemeinsamen Bund des Islams anzunähern. Schliesslich leben sie alle in den gleichen gesellschaftlichen Umständen und haben die gleichen Anliegen. Diese Bemühungen führten im Januar 2002 zur Gründung der Vereinigung der islamischen Organisationen des Kantons Luzern (VIOKL).

VIOKL repräsentiert als Dachverband die Institutionen der Gemeinschaft – das heisst: Moscheen, Kulturzentren und anderen Vereine. Über die Plattform VIOKL koordinieren die verschiedenen Vereine ihre gemeinsamen Aktivitäten  untereinander, aber auch  mit der breiteren schweizerischen Gesellschaft.

Rachid: Vor 2 Jahren wurde dann die Islamische Gemeinde Luzern (IGL) gegründet. Wozu?

Yusuf: Ein paar Jahre nach der Gründung der VIOKL diskutierten wir innerhalb der islamischen Gemeinschaft jedoch immer wieder die Repräsentation der Muslime gegenüber den Behörden. Vor allem Muslime aus der zweiten Generation - die sich viel mehr mit der schweizerischen Umgebung und den Werte identifizieren - haben sich die Frage gestellt, wie man eine die verschiedenen Ethnien integrierende islamische Gemeinschaft aufbauen könnte. Dies bringt uns zur Entwicklung einer schweizerischen muslimischen Identität.

Der Demokratisierungsprozess ist der Schlüssel für unsere vielfältige Gemeinschaft. Deswegen haben wir in März 2005 die Islamische Gemeinde Luzern (IGL) gegründet.

Wir glauben, dass  sich die Strukturen von  IGL und VIOKL ergänzen und ein stabiler Grundpfeiler für die Gemeinschaft sein werden. Durch die VIOKL werden die Institutionen vertreten und durch die IGL individuelle Mitgliedern. Wir glauben, dass wir durch IGL und VIOKL einerseits die Bedürfnisse der muslimischen Gemeinschaft vertreten können und andererseits die legitimen Erwartungen und Anliegen der schweizerischen Gesellschaft ansprechen. Ausserdem es ist wichtig, dass beide Organisationen ergänzende Rollen haben und sich gut untereinander koordinieren.

Rachid: Wie stark überschneiden sich die Aufgabengebiete von VIOKL und IGL?

Yusuf: Während und kurz nach der Gründung gab es Diskussionen zwischen IGL und VIOKL um die jeweilige Rolle zu klären und um sicherzustellen, dass die Aktivitäten von IGL und VIOKL einander ergänzen und nicht konkurrieren. Wir haben uns darauf geeinigt, dass VIOKL - als Vertreter der islamischen Institutionen - sich der Koordination von religiösen und kulturellen Belange annimmt. Die IGL andererseits versucht eine Gemeinde zu formieren und widmet sich daher eher sozialen Belangen. Diese Tabelle gibt Auskunft über die Ausrichtung von IGL und VIOKL.

Natürlich kann es Fälle geben, bei denen nicht klar ist, wo die Trennlinie verläuft. Genau deswegen ist es wichtig, dass VIOKL und IGL ihre Aktivitäten eng koordinieren.

Rachid: Die Mission der IGL ist die öffentlich rechtliche Anerkennung als religiöse Gemeinde im Kanton Luzern. Von den fast 14′000 im Kanton Luzern wohnhaften Musliminnen und Muslimen sind bis heute nur knapp 100 der IGL beigetreten. Ist mit dieser geringen Mitgliederzahl die öffentlich rechtliche Anerkennung überhaupt realistisch?

Yusuf: Die öffentlich rechtliche Anerkennung ist ein längerer Prozess. Zuerst müssen wir eine mitgliederstarke Gemeinde aufbauen und nach verschiedenen Seiten Gespräche führen. Vielleicht sind wir in zehn Jahren soweit, dass eine öffentlich rechtliche Anerkennung konkret werden könnte.

Rachid: Du engagierst dich stark für unsere Gemeinschaft. Wie viel Zeit pro Woche wendest du in etwa für das Amt des IGL Präsidenten auf?

Yusuf: Allah weiss es, das genügt.

Rachid: Das ist die Beste Antwort, die man auf diese Frage geben kann. Auf dass Allah dich für deine Aufrichtigkeit mit Dschannat ul-Firdaus belohnt. Als Präsident der IGL stehst du in der Öffentlichkeit. Was war deine positivste Erfahrung?

Yusuf: Gibt es positive Erfahrungen? Da muss man weit suchen. (lacht). Eine positive Erfahrung ist, dass man mehr und mehr einen Gemeinschaftsgeist spürt. Man kommt zusammen und macht neue Erfahrungen. Das Familienpicknick zeigt dies sehr schön auf.

Rachid: Und die negativste Erfahrung?

Yusuf: Die erniedrigenden Kampagnen gewisser Parteien sind eine negative Erfahrung. Auch eine sehr negative Erfahrung ist die verletztende Initiative, die Muslime generell von der Einbürgerung ausschliessen will.

Rachid: Was ist dein grösster Wunsch als IGL Präsident an die Gesellschaft?

Yusuf: Ich finde es wichtig, dass man die vielfältige Gesellschaft der Schweiz wahrnimmt. Es ist eine Herausforderung, mit dieser Vielfältigkeit umgehen zu können und sich gegenseitig zu respektieren.

Rachid: Und dein grösster Wunsch an die Muslime?

Yusuf: Ich wünsche mir, dass sich die Muslime sowohl in der islamischen Gemeinschaft als auch in der schweizerischen Gesellschaft mehr engagieren. Die Muslime sind zu wenig präsent.

Rachid: Bruder Yusuf, ich danke dir vielmals für das Gespräch.

Wenn ich recht darüber nachdenke, finde ich, dass VIOKL und IGL zusammengelegt werden sollten. Dies aus zwei Gründen:

1. Man erklärt den Leuten seit drei Jahren, warum es die VIOKL und parallel dazu die IGL braucht. Kaum jemand versteht dies.

2. Die nötigen Ressourcen fehlen, um zwei Vereine am Leben zu erhalten. Von der VIOKL hat man in den letzten zwei Jahren nichts mehr gehört. Die Organisation ist nur noch eine leere Hülle.

2 responses so far

Oct 11 2007

Fünf Fragen an Ylfete Fanaj, Nationalratskandidatin der Second@s plus

Published by Rachid under Interview, Politik

Ylfete Fanaj, Mitglied des grossen Stadtrates der Stadt Luzern und Studentin an der HSA, kandidiert für die SP Second@s plus als Nationalrätin und beantwortet unsere fünf Fragen.

Unsere fünf Fragen wurden von Musliminnen und Muslimen zusammengestellt und richten sich an Schweizer Politiker. Wenn man sie den Second@s plus stellt - allesamt Politiker/innen mit Migrationshintergrund - klingen die Fragen natürlich etwas eigenartig.

Ich finde, dass die Second@s plus einige Anliegen der Muslime vertreten (die Liste ist gekürzt):

  • Faire Einbürgerungsverfahren.
  • Ein flächendeckendes Netz an obligatorischen Sprachkursen als Integrations- und nicht als Repressionsmittel gegen MigrantInnen. Alle sollen zumindest versuchen, eine Landessprache zu lernen – auch ausländische Top-Manager!
  • Chancengleicher Zugang zu Bildung auf allen Stufen, u.a. mit mehr Stipendien, Tagesschulen und Sprachförderprogrammen.
  • Griffige Massnahmen gegen Zwangsheiraten. (Dieses Problem zu lösen ist leider nicht so einfach, dies darf aber kein Grund sein die Augen zu verschliessen und nichts zu tun. Ylfete Fanaj verschliesst die Augen nicht und unternimmt etwas. Anm. Rachid)
  • Einen wirkungsvollen Schutz der Umwelt.

Rachid: Wie stellen sie sich das Zusammenleben ganz praktisch vor? Was möchten sie ändern, was möchten sie so lassen wie es ist?

Ylfete Fanaj: Ein respektvolles Zusammenleben unter Berücksichtigung der „Gleichheit in Vielfalt”.

Rachid: Welche Erwartungen haben sie den Musliminnen und Muslimen gegebüber?

Ylfete Fanaj: Keine speziellen für Muslime. Die gleichen Erwartungen, die ich an alle Menschen habe.

Rachid: Zur Integration gehört auch die Beteiligung der Migrantinnen und Migranten an politischen Prozessen. Wie stehen sie zum Ausländerstimmrecht?

Ylfete Fanaj: Selbstverständlich bin ich dafür!

Rachid: Haben sie persönlich Kontakt zu Musliminnen und Muslimen? Sei es durch ihre politische Arbeit oder ihren Freundeskreis?

Ylfete Fanaj: Ich bin selbst Muslimin.

Rachid: Tun ihnen muslimische Frauen die ein Kopftuch tragen leid?

Ylfete Fanaj: No, chacun a sa façon!

Rachid: Ylfete Fanaj, ich danke ihnen für das Interview und wünsche ihnen ein gesegnetes Eid ul-Fitri und viel Glück am 21. Oktober.

No responses yet

Oct 10 2007

Fünf Fragen an Trix Dettling, Nationalratskandidatin der SP

Published by Rachid under Interview, Politik

Trix Dettling, Grossrätin seit 2003, kandidiert für die SP als Nationalrätin. Trix Dettling beantwortet die fünf Fragen, die wir kürzlich auf LieberBruderAli.com zusammengestellt haben.

Trix Dettlings Vorstösse im Grossen Rat geben einen guten Überblick über die Themen, für die sie sich einsetzt. “Ich stehe für Chancengerechtigkeit in der Bildung”. Keine Scheinpolitik - Frau Dettling setzt diese Aussage schon seit vielen Jahren in die Tat um. Hervorheben möchte ich auch ihre Anfrage an den inzwischen mit Schimpf und Schande abgewählten luzerner SVP-Regierungsrat Daniel Bühlmann wegen seinen frauenfeindlichen Äusserungen.

Rachid: Frau Dettling, wie stellen sie sich das Zusammenleben ganz praktisch vor? Was möchten sie ändern, was möchten sie so lassen wie es ist?

Trix Dettling (SP): Ich bemühe mich um verstärkten Kontakt und erwarte das auch von Muslimen und Musliminnen. Wir garantieren in der Schweiz die Religionsfreiheit. Es ist aber wichtig sich gegenseitig zu verstehen. Verbessern möchte ich die Chancengerechtigkeit fremdsprachiger Kinder und Jugendlicher in der Bildung.

Rachid: Welche Erwartungen haben sie den Musliminnen und Muslimen gegebüber?

Trix Dettling (SP): Ich erwarte, dass sie sich mit den gängigen Regeln unseres Zusammenlebens auseinandersetzen. Mädchen dürfen z. B. in der Schule nicht diskriminiert und vom Schwimmunterricht oder vom Klassenlager ausgeschlossen werden. Ich bin aber meinerseits auch interessiert an der Geschichte und den Lebensrealitäten hier lebender Migrantinnen und Migranten.

Rachid: Zur Integration führt nicht nur die Bildung sondern auch die Beteiligung der Migrantinnen und Migranten an politischen Prozessen. Wie stehen sie zum Ausländerstimmrecht?

Trix Dettling (SP): Ich befürworte das Ausländerstimmrecht und habe mich mehrfach dafür stark gemacht. Ich bedaure sehr, dass die neue Luzerner Verfassung diese Möglichkeit nicht vorsieht.

Rachid: Haben sie persönlich Kontakt zu Musliminnen und Muslimen? Sei es durch ihre politische Arbeit oder ihren Freundeskreis?

Trix Dettling (SP): Ich unterrichte ein 65% Pensum Deutsch für Fremdsprachige an der Schule Buchrain. Die meisten meiner Schülerinnen und Schüler sind muslimischen Glaubens. Auf politischer Ebene unterstütze ich die Gruppierung SP Second@s, wo zahlreiche politisch aktive Muslime und Musliminnen mitarbeiten.

Rachid: Tun ihnen muslimische Frauen die ein Kopftuch tragen leid?

Trix Dettling (SP): Ich wünsche mir die Gleichberechtigung für alle Frauen, ob nun Musliminnen oder nicht.

Rachid: Frau Dettling, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche ihnen für den 21. Oktober viel Glück!

No responses yet

Aug 21 2007

Interview mit Schwester Laura

Published by Rachid under Interview, Menschen, Islam

Schwester Laura (25), eine Schweizer Muslimin aus Luzern, begann diesen Sommer ihren einjährigen Sprachaufenthalt in Damaskus, der Hauptstadt Syriens.

Rachid: Liebe Schwester, du hast dich für einen einjährigen Sprachaufenthalt in Syrien entschieden, wie kam es dazu?

Laura: Nach einer längeren Beziehung zu einem Muslim begann ich mich für den Islam zu interessieren. Ich informierte mich über diese Religion, las viele Bücher, besuchte den Islam Unterricht in der Moschee und lernte das Gebet. Im Juni 2006 konvertierte ich schliesslich zum Islam. Allhamdulillah! Weil ich in der Schweiz Vollzeit arbeitete, genügte mir nicht, was ich in meiner Freizeit lernte. Ich wollte meine ganze Zeit nutzen, um Hocharabisch, über Islam und Qur’an zu lernen. So entschied ich mich, in ein arabischsprechendes Land zu reisen, in dem die Leute den Islam vorbildlich praktizieren.

Rachid: Du wurdest also nicht von deinem damaligen Freund gebeten Muslimin zu werden, sondern hast dich selbst dazu entschieden?

Laura: Das ist richtig. Ich habe den Islam nicht für einen Mann angenommen, sondern aus eigener Überzeugung. Als ich genug über den Islam wusste, gab es für mich keinen Grund um zu warten.

Rachid: Was hat dich am Islam so sehr fasziniert, dass du Muslimin geworden bist?

Laura: Als ich zum ersten Mal die Moschee besuchte, war ich vom würdevollen Gebet äusserst fasziniert. Ich machte die Bewegungen mit und war den Tränen nahe. Mit der Zeit lernte ich den Islam mit seinen unzähligen positiven Seiten kennen. Zudem fand ich viele neue Freunde, überall Unterstützung, offene Ohren und Türen. Alles, was ich mir schwierig vorgestellt hatte – z.B. das Gebet auf Arabisch zu lernen und fünf Mal am Tag zu beten – war machbar, nur eine Frage der Einstellung und des Willens.

Rachid: Stichwort Gebet. Spürst du eine innerliche Veränderung seit du Muslimin geworden bist und die täglichen Gebete verrichtest?

Laura: Seit ich täglich bete, spüre ich eine innere Ruhe und Reinheit im Herzen. Ich brauche einen Sinn in meinem Leben und habe mit dem Islam ein neues Ziel gefunden. Ich bin dankbarer geworden und erkenne die bedeutenden Werte im Leben – materielle Dinge sind für mich weniger wichtig geworden. Das Aussprechen von Dua’s gibt mir ein Gefühl von Erleichterung und Hoffnung. Was ich vorher als „schlecht“ empfunden habe, sehe ich heute mit anderen Augen. Wenn etwas nicht klappt, wie ich es will oder mir vorgestellt habe, erkenne ich später meistens die Gründe dafür. Nicht zuletzt fühle mich auch äusserlich viel sauberer, weil ich mich mehrmals täglich wasche.

Rachid: Wie reagierte dein Umfeld auf deine neue Religion?

Laura: Muslimische Freunde, die ich durch den Islam kennen gelernt habe, freuten sich natürlich riesig und weinten sogar teilweise. Meine Familie war nicht begeistert. Meine Mutter empfindet das Kopftuch als Unterdrückung der Frau. Ich habe eine sehr liebe Familie. Auch wenn ich Muslimin geworden bin, wird meine Familie immer zu mir stehen – denn ich bleibe ihre Tochter / Schwester. Die Beziehung ist sogar noch intensiver geworden und meine Mutter sorgt sich besonders um mich. Meine Familie drängt mich nie, bei ihnen Fleisch zu essen und meistens kocht meine Mutter etwas Spezielles für mich. Wenn ich zu Besuch bin, kann ich in einem Zimmer beten. Bei der Arbeit fragten mich die Leute, weil ich mitten im Sommer plötzlich immer lange Kleidung trug. Sie haben es akzeptiert, aber nicht verstanden – das Kopftuch trug ich nicht. Mein damaliger Chef interessierte sich für den Islam und gelegentlich diskutierten wir über meine neue Religion. Bei meinem Abschiedsapéro schenkte ich nur Fruchtsäfte aus, kein Alkohol. Meine Freunde konnten mir nicht nachfühlen. Obwohl ich eine neue Religion habe, werde ich weiterhin mit ihnen befreundet bleiben. Ich habe immer erzählt, dass ich Muslimin geworden bin und habe mich dabei nie geschämt, sondern im Gegenteil: ich bin froh darüber. Alhamdulillah! Die meisten nicht-muslimischen Freunde und meine Verwandtschaft haben mich nie
mit dem Kopftuch gesehen.

Rachid: Nun wollen wir dich aber noch ein bisschen in Syrien besuchen. Wie sieht dein typischer Tag in Damaskus aus?

Laura: Morgens stehen wir (ich und die Frau, bei der ich wohne) um 05:00 für das Morgengebet auf. Nach dem Gebet liege ich meistens noch 1 Stunde im Bett. Dann dusche ich und frühstücke ausgiebig. Um 07:30 verlasse ich das Haus. Um 08:00 beginnt die Schule im Institut Abu Al Nur, das zur Moschee gehört. 8:00 bis 09:00 Uhr haben wir Qur’an Unterricht, 09:00 bis 10:30 Arabisch und nach 30-minütiger Pause folgt Grammatik Unterricht bis 12:30. Nach der Schule gehe ich einkaufen und fahre mit dem Bus zur Wohnung zurück. Nach dem Mittagsgebet koche ich etwas und am Nachmittag benutze ich meist den Computer, beantworte E-Mails und erledige meine Hausaufgaben, die täglich 1 bis 2 Stunden beanspruchen. Um 16:30 mache ich mich auf den Weg zur Moschee Bechir, die auf dem Weg zu meiner Privatlehrerin liegt und bete dort das Nachmittagsgebet. Diesen Weg lege ich zu Fuss zurück. Von 17:00 bis 19:00 habe ich Privatunterricht. Immer gibt es auch etwas zu essen: Früchte oder syrische Spezialitäten. Anschliessend spaziere ich zurück zur Wohnung und gehe unterwegs meistens noch einkaufen. Die meisten Lebensmittel sind in Damaskus äusserst günstig. Cornflackes sind mindestens so teuer wie in der Schweiz, habe ich die Erfahrung gemacht. Die Frau bei der ich wohne ist abends meistens zu Hause. Gemeinsam sitzen wir vor dem Fernseher und sprechen ein wenig. Manchmal kommt Besuch, ihre Schwester mit den Kindern oder eine Kollegin. Oft lerne ich nochmals für die Schule. Das Abend- und Nachtgebet verrichte ich zu hause, danach gehe ich um 22:30 schlafen.

Wochenende ist in Damaskus am Freitag und Samstag. Freitags vor dem Mittag besuche ich die Predigt eines Scheichs in der Moschee Abu Al Nur und Samstag morgens Qur’an Unterricht in der Moschee Mushab. Meistens treffe ich mich am Wochenende mit Kolleginnen um auswärts essen zu gehen oder zu lernen.

Auf dem Bazar habe ich neue Kleider gekauft, die dünn und sehr angenehm zum Tragen sind bei den heissen Temperaturen hier. Auf der Strasse bin ich kaum von einer syrischen Frau zu unterscheiden.

Rachid: Du nützt deine Zeit also gut aus um zu lernen. Und du scheinst dich in Damaskus zu bewegen wie ein Fisch im Wasser. Ist das als Europäische Frau alleine in einem arabischen Land kein Problem? Hast du noch nie eine schwierige Situation erlebt?

Laura: Europäische Frauen können prima alleine nach Damaskus reisen. Es gilt aber ein paar Grundregeln zu beachten, weil es sich um ein islamisches Land handelt. Ich kann mich auf der Strasse frei bewegen, wie es die syrischen Frauen auch tun. Belästigungen halten sich wirklich im Rahmen. Seit ich mich anziehe wie eine Syrierin, habe ich damit praktisch gar keine Probleme mehr. Oft werde ich im Gespräch gefragt, ob ich verheiratet bin und die meisten sind ganz erstaunt, dass ich alleine hier bin. Die einzige Schwierigkeit ist die Verständigung auf Arabisch, nicht dass ich als Frau alleine in Damaskus bin.

Die Leute hier sind sehr gastfreundlich und hilfsbereit, insbesondere wenn sie wissen, dass ich eine Touristin bin. Einmal suchte ich ein Gebäude und fragte einen Mann nach dem Weg. Er schickte einen Jungen mit mir, der mich nach 20-minütigem Fussmarsch dorthin brachte. Als ich das 1. Mal alleine mit dem Bus zur Moschee Abu Al Nur gefahren bin, habe ich mich nicht auf die Strasse geachtet und bin tatsächlich zu weit gefahren. Als mir dies bewusst wurde, stieg ich aus und fragte einen Mann, wo die Moschee sei. Mit dem Bus brachte er mich zur Moschee und bezahlte sogar die Busfahrt. Dies sind nur zwei Beispiele!

Ich habe meinen Aufenthalt via eine Agentur gebucht. Die Agentur half mir überall: Registrierung in der Schule, Wohnungssuche, Aufenthaltsverlängerung, etc. Für die Aufenthaltsverlängerung musste ich selber vor den Schalter im Immigrationsbüro, wo ein richtiges Chaos herrscht. Ich wusste nicht, wie die Formulare hiessen und zeigte einfach darauf. Der Mann am Schalter fragte mich auf Arabisch, was ich brauchte, lachte nur und wollte mir die Formulare erst nicht geben. Schwierige Situationen enden meistens lustig. Wenn ich ein Wort auf Arabisch nicht weiss, komme ich meistens mit Erklären oder Finger darauf zeigen weiter. Ich habe auch immer ein kleines Wörterbuch bei mir und im Notfall hilft manchmal Englisch weiter.

Rachid: Ja, das syrische “Immigration Office”, das war schon immer abenteuerlich. Welche Vorkenntnise sind für den Besuch des Arabischkurses des Abu Nur Instituts notwendig?

Laura: Grundsätzlich sind keine Vorkenntnisse notwendig. Wenn die Buchung über eine Agentur erfolgt, erhält man überall Unterstützung. Ich empfehle aber sehr, sich zuvor in der Schweiz Arabisch Grundkenntnisse anzueignen. Der Unterricht im Institut Abu Al Nur wird ausschliesslich in Arabisch erteilt und geht sehr schnell vorwärts! Für guten Lernerfolg ist es vorteilhaft, zusätzlich Privatunterricht zu belegen. In der Schweiz lernte ich fast 3 Semester Arabisch und habe hier nochmals von vorne begonnen. Das Mezze Institut geht in einem langsameren Tempo vorwärts, habe ich gehört. Nach Bedarf kann eine Gastfamilie und Privatlehrer gefunden werden, die Englisch sprechen.

Rachid: Was kostet so ein Sprachjahr in Syrien in etwa? Und wo finden Interessenten weitere Infos?

Laura: Der Flug nach Damaskus kann auf einem Schweizer Reisebüro gebucht werden. Ich würde CHF 1500 rechnen, weil es auf die Saison ankommt und je nachdem Umbuchungskosten vor Ort zu bezahlen sind. Ich kann die Agentur Arabesk für die Buchung der Schule und Unterkunft sehr empfehlen. Sie hilft auch für die Buchung des Flugs und gibt Informationen für das Visum ab: www.arabeskstudiesindamascus.com

Unterkunft ohne Essen: ca. 190 Euro / Monat, Unterkunft mit Essen: ca. 250 Euro / Monat, Institut Abu Al Nur: ca. 770 Euro (6 Kurse à 2 Monate, 60h pro Monat). Abu Al Nur bietet zudem kostenlosen Qur’an Unterricht an und ist deshalb besonders für Muslime zu empfehlen. Die Universität in Damaskus und das Mezze Institut bieten ebenfalls Arabisch Kurse an, sind aber ein bisschen teurer. Bei Bedarf kann zusätzlich Privatunterricht besucht werden, z.B. 40h pro Monat für ca. Euro 340.

Im Preis von Arabesk inbegriffen sind Abholung am Flughafen, die ersten drei Nächte Unterkunft im Hotel, Registrierungen, Übersetzungen, Aufenthaltsbewilligungen und vieles mehr. Individuell können auch Ausflüge nach Bosra, Palmyra, Krak des Chevaliers, Aleppo, Jordanien und Libanon gebucht werden. Im weiteren organisiert Arabesk auf Wunsch den Besuch des traditionellen Hamams (Bad), City Tour, Kochkurse, Kurse in Kaligraphie, Umra und Hajj in Mekka, etc. Ein Jahr Aufenthalt kann bereits ab CHF 7’500 gebucht werden. Es ist mit zusätzlichen Auslagen zu rechnen, z.B. Kauf von Kleidern, Ausflüge, etc. Arabesk schickt bei Interesse gerne eine individuelle Offerte, die Aufenthaltsdauer kann natürlich beliebig verkürzt werden (Korrespondenz in Englisch oder Französisch). Für weitere Auskünfte und Tipps stehe ich ebenfalls zur Verfügung.

Rachid: Wenn du nun mit etwas Abstand an die Schweiz denkst, welchen Wunsch hättest du als Schweizer Muslimin an die Schweizer?

Laura: Ich wünsche mir mehr Verständnis der Schweizer für die Muslime und dass sie weniger Vorurteile haben, sondern den wahren Islam mit seinen unzähligen positiven Seiten kennen lernen. Denn der Islam ist wunderschön und ich hoffe, dass sich viele Schweizer zum Islam bekehren werden. Die Medien hinterlassen meistens negative Eindrücke. Von uns Muslimen erwarte ich, dass wir den Islam vorbildlich leben und so mithelfen, überall viele gute Eindrücke zu hinterlassen. Besonders wichtig ist, dass Traditionen in islamischen Ländern – die teilweise wirklich „schlecht“ sind – nicht als die Religion angesehen werden. Weiter bedeutet das Kopftuch nicht Unterdrückung der Frau, wie die Meinung in vielen Köpfen herrscht. In der Schweiz habe ich als Muslimin die einzig wirkliche Schwierigkeit mit dem Tragen eines Kopftuchs. Es ist umso schwieriger, weil meine Familie und Verwandtschaft nichtmuslimisch ist. Ich wünsche mir mehr Arbeitgeber, die den Islam respektieren und das Kopftuch erlauben. Religionsfreiheit herrscht bereits in der Schweiz und ein friedliches miteinander – und nicht gegeneinander – Leben der verschiedenen Religionen ist doch am Schönsten. Damaskus ist ein gutes Vorbild: nebst den vielen Moscheen gibt es hier auch viele Kirchen.

Rachid: Dies ist nicht nur ein Wunsch, sondern ein ganzer Katalog von Wünschen. Was bietest du als Schweizer Muslimin der Gesellschaft an?

Laura: Egal in welchem Land ich lebe: ich muss die dort geltenden Gesetze einhalten und die Lebensweise der Gesellschaft respektieren. Die Schweiz ist kein Islamisches Land und das muss mir als erstes bewusst sein! Ich muss mich dem Leben in der Schweiz anpassen. Anpassen bedeutet aber nicht, dass ich meine Religion nicht leben kann. Als konvertierte Muslimin habe ich automatisch regelmässigen Kontakt mit anderen Religionen – das beginnt schon bei meiner Familie. Ich bin ein gutes Vorbild, das Freundschaft über die Religion hinaus geht. Nicht ich alleine, sondern wir Muslime alle zusammen haben der Gesellschaft durch vorbildliches Leben des Islams viel Positives als Gegenleistung zu bieten. Es gibt keine andere Religion, in der bereits die Begrüssung „Friede sei mit Euch“ („As salamu aleikum“) lautet. Also ein Zeichen von friedlichem Zusammenleben. Durch Praktizieren des Islams helfen wir die Gesellschaft in unzähligen Punkten zu verbessern. Hier nur ein paar Beispiele: keine unehelichen Kinder, keine Alkoholiker, keine Gewalt; dafür umso mehr: Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft, Dankbarkeit, Familienzusammenhalt, usw.

Rachid: Liebe Schwester Laura, ich danke dir vielmals für das Gespräch und wünsche dir noch einen schönen Aufenthalt in Damaskus.

13 responses so far